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Transformator, Trafostation & Co.
Einführung, Überblick und Geschichte

Der Transformator Die Transformatorenstation Die Turmstation Beton-Turmstationen Blech-Turmstationen Maststationen Kabelstationen Kompaktstationen Schaltwerke Umspannwerke
Inhalt dieser Seite:
Transformator   Transformatorenstation   Turmstationen   Der alte Trafoturm   Beton‑Turmstationen   Blech‑Turmstationen   Maststationen   Kabelstationen   Kompaktstationen   Schaltwerke   E‑Werk, Umspannwerk, Kraftwerk

Freileitungen 3 Vogelschutz Vorschriften und Erste-Hilfe-Anleitungen Warntafeln Innenansichten von Trafostationen Konstruktionszeichnung Einblicke in Schaltanlagen Schalter Isolatoren Trafohaeuschen im Modellbau Recycling
Weitere Themenseiten:
Freileitungen   Vogelschutz   Warntafeln   Innenansichten/Konstruktion   Schalttafeln/Schalter   Vorschriften/Erste Hilfe   Isolatoren   Überspannungsableiter   HH‑Sicherungen
Modellbau   Praktische Verwendung von Isolatoren im Alltag

Die folgenden Texte sollen in möglichst verständlicher Form in die Themen rund um das Thema Transformator und "Trafohäuschen" einführen - von Laien für Laien geschrieben. Wir wollen mit Bildbeispielen aus unserer Fotosammlung einen Überblick über Funktion, Technik, Geschichte und Formenvielfalt dieser Kleinbauten geben. Technisch, technikgeschichtlich und baugeschichtlich Interessierte finden weiterführende Links im Text und in unserer Link- und Literaturliste. Ein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und Vollständigkeit wird nicht erhoben.
 
Der Transformator

Transformator von 1918 Mittelspannungstransformator von 1920 Transformator Baind von 1983
Abb. links: Ölgefüllter Transformator von 1918 im Museumsdorf Kürnbach
Abb. Mitte: Innenleben eines Mittelspannungstransformators von 1920 in der Elektrothek Osterath
Abb. rechts: ABB/ASEA-Transformator in Hermetikausführung von 1983 in der Trafostation Baind

Der Transformator (Trafo) ist das Kernstück in einer Transformatorenstation, also in unserem Trafohäuschen oder Trafoturm. Die Transformatoren, um die es auf unseren Seiten geht, sind Mittelspannungstransformatoren. Ganz vereinfacht erklärt: Über ein Stromnetz, entweder durch eine Freileitung oder ein isoliertes Erdkabel, wird die Mittelspannung (in Deutschland heute meist zwischen 10.000 und 20.000 Volt = 10-20 kV/Kilovolt) zur Trafostation und damit zum Trafo transportiert. Im Trafo wird die hohe Mittelspannung in Niederspannung umgewandelt (transformiert, umgespannt), daher auch der Begriff "Umspannstation" für eine Trafostation. Niederspannung ist nichts anderes als unser normaler Haushalts- oder Gebrauchsstrom, wie wir ihn aus der Steckdose bekommen (in Deutschland heute 230 - 400 Volt). Ab der Trafostation beginnt also die Feinverteilung des Stroms zu den Verbrauchern, den Haushalten und Betrieben: wir bekommen unseren Strom vom Trafohäuschen.
Verfolgen wir den Weg des Stroms weiter zurück: Die stromerzeugenden Elektrizitätswerke (klassischerweise Wasserkraftwerke und Verbrennungs- oder Wärmekraftwerke, später auch Atomkraftwerke, Wind-, Solar- und Gezeitenkraftwerke) geben den hochgespannten Strom an unterschiedliche Spannungsebenen ab: 380 kV Höchstspannung (Vorläufer 220 kV) bei den ganz großen Werken, ins sogenannte europäische Verbundnetz. Kleinere Elektrizitätswerke speisen in das 110kV-Netz (Hochspannungsebene) ein. Die Hochspannungsleitungen führen zu den Umspannwerken, im Volksmund fälschlicherweise auch oft Elektrizitätswerke oder E-Werke genannt. Im Umspannwerk wird der Strom das erste Mal umgewandelt, "umgespannt", und zwar von Hochspannung auf Mittelspannung. Von dort geht es weiter zur Transformatorenstation, deren Transformator die Mittelspannung nun in Niederspannung heruntertransformiert.
Diese Darstellung ist grob vereinfacht. Es gibt im Stromnetz alle möglichen Kreuz- und Querverbindungen. Schon früher gab es Klein- und Kleinstwasserkraftwerke, die ihren Strom nicht in das Hochspannungsnetz, sondern in das Mittelspannungsnetz einspeisten. Mit den erneuerbaren Energien nahm die Zahl der Kleinstromerzeuger bis hin zu Privathaushalten sprunghaft zu. Biogasanlagen, Windräder und auch große Solaranlagen brauchen eine eigene Trafostation, auch sie speisen ins Mittelspannungsnetz ein. Private Stromerzeuger mit wenigen Photovoltaikmodulen geben den Strom, den sie nicht selbst verbrauchen, direkt ins Niederspannungsortsnetz ein. Durch die veränderte Situation sind heute zunehmend "intelligente Netze" gefragt.

Nachfolgend eine kleine Einführung in Technik und Funktion eines Transformators:
"Ein Transformator (von lateinisch transformare, umformen, umwandeln; auch Umspanner, kurz Trafo) ist ein Bauelement oder eine Anlage der Elektrotechnik. Er besteht aus einem magnetischen Kreis - meist einem Ferrit- oder Eisenkern -, um den Leiter zweier oder weiterer verschiedener Stromkreise so gewickelt sind, dass der Strom jedes Stromkreises mehrfach um den Kern herumgeführt wird. Legt man nun an eine dieser Wicklungen, auch Transformator-Spule genannt, eine Wechselspannung, so stellt sich an der zweiten oder weiteren Wicklung eine Wechselspannung ein, deren Höhe sich im Leerlauffall zu der ursprünglichen speisenden Spannung so verhält wie das Verhältnis der Windungszahlen der entsprechenden Wicklungen."
(Zitiert aus dem Wikipedia Artikel 'Transformator')

Skizze Eisenjoch Ein Transformator beinhaltet ein möglichst geschlossenes Eisenjoch, in unserer Mittelspannungsebene sind das regelmäßig drei miteinander verbundene Schenkel. Auf diesen Schenkeln sind sowohl die Spulen der Oberspannung als auch der Unterspannung aufgebracht. Beide sind voneinander isoliert. Durch den Stromfluss welcher z.B. beim Anschluss der Oberspannungsseite in den zugehörigen Spulen entsteht, wird durch Induktion in den zugehörigen Spulen der Unterspannungsseite eine der Windungszahl entsprechende niedrigere Spannung induziert. Das Eisenjoch dient dabei der maximalen Übertragung des magnetischen Flusses. Das dadurch im Trafo entstehende magnetische Feld ist abhängig von der anliegenden Frequenz des eingespeisten Wechselstroms. Aus diesem Grunde ist der konventionelle Transformator nur für Wechselspannung zu verwenden. Sonderformen gibt es im Bereich der HGÜ (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung), wie sie im Rahmen der Energiewende bei mindestens 4 großen Hochspannungstrassen quer durch Deutschland in Anwendung kommen wird. Das sind Spezialtrafos. Transformatoren im Bereich der Mittelspannung werden entweder als Öltrafos mit Ausgleichsbehälter (Ölkonservator) angeboten oder als komplett verschlossene Hermetiktrafos ohne Ausgleichsbehälter. Ferner gibt es noch Gießharztrafos, welche nur mit Luftkühlung und Isolation durch das Kunstharz auskommen. In Wasserschutzgebieten werden verstärkt alte Öltrafos durch Gießharztrafos auch auf Maststationen ausgewechselt. Zum Schutz gegen die Witterung sind dann Blechgehäuse um den Trafo angebracht und es gehen drei isolierte MS-Kabel statt der üblichen Porzellandurchführungen aus dem Gehäuse.
Weiterführende technische und technikgeschichtliche Informationen gibt es in unserer Link-und Literaturliste.

 
Die Transformatorenstation

Turmstation Betonturmstationen Blech-Turmstationen Maststationen Kabelstationen Kompaktstation Bleiche bei Tuttlingen
Von links nach rechts:
Turmstationen   Beton‑Turmstationen   Blech‑Turmstationen   Maststationen   Kabelstationen   Kompaktstationen

Hier kommen wir zu unserem eigentlichen Thema. Hinter dem Begriff "Transformatorenstation" verbirgt sich nichts anderes als unser gutes altes Trafohäuschen, auch Transformatorenstation, Trafostation, Trafoturm, Transformatorenhaus, Trafohaus, Umspannstation, Umspannstelle, Umspannanlage, Umspannturm, Turmstation, Stromturm, Stromhäuschen oder Elektroturm genannt.
Seit Ende der 1980er Jahre werden in Deutschland keine Turmstationen mehr errichtet, seit dieser Zeit hat sich unter Fachleuten auch der Begriff Netzstation eingebürgert.
Je nach regionaler Mundart heißen die Stationen auch Trafohäusle (Schwäbisch), Stromhäusle (Schwarzwald), Trafohäusel bzw. Trafoheiserl (Bayern) oder Drahthüsli (Schweiz).
In Dänemark: Transformertårn (Trafoturm), auch Transformatortårn, Transformerstation und Transformerhus
Im Bereich Mittelspannung existieren ungemein viele Bezeichnungen für Trafostationen, z.B. in Süddeutschland fälschlicherweise auch Schalthaus, Schaltwerk oder Schaltstation für eine Turmstation. Hier gehen die Begrifflichkeiten etwas durcheinander, es gibt regionale Unterschiede, teilweise haben sich die Benennungen auch im Lauf der Zeit gewandelt. Schaltwerke oder Schaltstationen sind keine Trafostationen, aber oft in ähnlich aussehenden Gebäuden oder im selben Gebäude zusammen mit einer Trafostation untergebracht (siehe auch unter Schaltwerke).

"In einer Transformatorenstation (...) wird die elektrische Energie aus dem Mittelspannungsnetz mit einer elektrischen Spannung von 10 bis 36 kV auf die im Niederspannungsnetzen (Ortsnetzen) verwendeten 400/230 Volt zur Versorgung der Niederspannungskunden transformiert (umgewandelt).
Eine Trafostation besteht im Wesentlichen aus dem Gebäude, mindestens einem Transformator, einer Mittelspannungsschaltanlage und mindestens einer Niederspannungsverteilung. Bei einfachen Trafostationen kann die Mittelspannungsschaltanlage auch nur aus einem Mittelspannungsschalter mit Trafosicherungen und die Niederspannungsverteilung aus nur einem niederspannungsseitigen Trafoschalter bestehen.
Bis Anfang der 80er Jahre wurden Umspannstationen in Freileitungsnetzen als Turmstationen ausgeführt. Anfangs wurden diese konventionell gemauert, ab den 60er Jahren wurden diese vermehrt in Fertigbauweise errichtet. Vereinzelt wurden Turmstationen bis Mitte der 80er Jahre errichtet. In Kabelnetzen wurden gemauerte ebenerdige Gebäude, ab Mitte der 60er Jahre auch Fertiggaragen, verwendet, die zur Trafostation ausgebaut wurden. Heute werden die Trafostationen in aller Regel als komplett gelieferte ebenerdige Fertigbaustationen mit sehr kleinen Grundflächen errichtet."
(Zitiert aus dem Wikipedia Artikel 'Transformatorenstation')

In Freileitungsnetzen, also in Netzen mit nur durch die Luft isolierten blanken Stromleitungen, die deshalb etliche Meter über dem Boden auf Masten geführt wurden, war eine den Masten entsprechende Bauhöhe auch der Trafostationen erforderlich. Ab der Jahrhundertwende 1900 entstanden die Turmstationen, die insbesondere durch den Einfluss des Heimatschutzes bzw. der Heimatschutzarchitektur (siehe hierzu den Wikipedia-Artikel Heimatschutzarchitektur) individuell und in großer "Artenvielfalt" gebaut wurden, auch in ihrer Ausführung in Beton. Von Beginn an gab es auch Varianten in Blech. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wurden schließlich im Zuge der vollständigen Elektrifizierung auch auf dem flachen Land nur noch industriell vorgefertigte Betonturmstationen und Maststationen aufgestellt, zunehmend auch begehbare Kabelstationen.
In den großen Städten, die um die Jahrhundertwende 1900 als erste elektrifiziert wurden, überwog das Kabelnetz. Das Kabel-Stromnetz weist isolierte Leitungen auf, die mit Ausnahme der sog. Schwedenkabel unterirdisch verlegt werden. Die Kabelstationen sind daher Flachbauten, die anfangs nur in Städten zur Anwendung kamen. Im Zug der vermehrt flächendeckenden Umstellung von Freileitungen auf Erdkabel in ländlichen Gebieten werden fast nur noch Kabelfertigstationen in Form von industriell produzierten Trafoboxen und Kompaktstationen aufgestellt.
Siehe hierzu unsere Themenseite Freileitungen und den Wikipedia-Artikel Erdkabel.

Bei den alten Turmstationen finden wir die größte Formenvielfalt: kaum ein Baustoff, kaum ein Architekturstil, kaum eine Dachform, die es hier nicht gibt. Die Türmchen waren oft an regionale und lokale Gegebenheiten und Besonderheiten angepasst, manchmal sogar ortsbildprägend. Sie wurden abgelöst durch fabrikfertige Beton-Turmstationen, die in Segmenten oder in Plattenbauweise industriell vorgefertigt wurden. Mit dem Übergang der Freileitungs-Ära auf Erdverkabelung wurde die Bauhöhe der Turmstationen überflüssig: die heutigen Kabelstationen sind nur wenige Meter hoch und werden fabrikfertig geliefert und aufgestellt.
Außer den Turm- und Kabelstationen gab es noch Sonderformen, wie z.B. mobile Baustellen-Trafostationen:


Mobiler Baustellentransformator von 1910 Wickmannstation
links: Mobile Baustellen-Mittelspannungsstation von 1910 in der Elektrothek Osterath
rechts: Wickmann-Station aus Wellblech

Ein Überblick über die ältesten datierten Trafostationen in unserer Sammlung (mehrheitlich Turmstationen, aber auch Kabelstationen darunter) befindet sich auf unserer Seite Best of Trafohäuschen.
 
Turmstationen

Trafoturm Ursprung Trafoturm Stockach Trafoturm Beuren an der Aach Trafoturm Reichenau-Oberzell Trafoturm Wackershofen Trafoturm Fischhausen Trafoturm Breese Trafoturm Pfohren Oberes Ried Drahthuesli Dachsen
Ursprung, Stockach, Beuren, Reichenau, Wackershofen, Fischhausen, Breese, Pfohren, Dachsen

Alte Beton-Turmstationen Alte Beton-Turmstationen   Moderne Beton-Turmstationen Moderne Beton-Turmstationen   Blechturmstationen Blechturmstationen   Maststationen Maststationen
Weitere Kapitel über Freileitungsstationen:
Alte Beton‑Turmstationen   Moderne Beton‑Turmstationen
Blech‑Turmstationen   Maststationen

"Als Turmstation bezeichnet man eine Bauform der Transformatorenstation, bei der die technische Anlage in einem turmförmigen Häuschen untergebracht ist. Hier wird die Mittelspannung verteilt und in Niederspannung umgesetzt, um Abnehmer im Umkreis einiger hundert Meter bis zu wenigen Kilometern zu versorgen. Turmstationen sind überwiegend in ländlichen Gebieten zu finden."
(Zitiert aus dem Wikipedia Artikel 'Turmstation')
Die Turmform wurde gewählt, weil Stromleitungen auf dem Land früher ausschließlich Freileitungen waren. Kabelnetze gab es anfangs nur in großen Städten. Die nicht isolierten Leiterdrähte konnten so hoch über den Köpfen der Menschen gefahrlos am Turmgiebel befestigt und im Gebäudeinneren am Transformator angeschlossen werden. Ein klassisches Beispiel für das Gestaltungsprinzip "form follows function" (Die Form folgt der Funktion) aus Design und Architektur. Darüber hinaus sollte - im Gegensatz zu den heutigen Kompaktstationen - Schönheit über den Zweck hinaus erreicht werden. Die Turmbauten wurden, vor allem im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, den lokalen und landschaftlichen Gegebenheiten angepasst, was eine Vielzahl von unterschiedlichen Bautypen zur Folge hatte. Einige schöne Beispiele solcher alten pittoresken, teilweise denkmalgeschützten Turmstationen präsentieren wir auf unserer Seite Best of Trafohäuschen. Wir verwenden meistens die geläufigen Begriffe Trafoturm oder Trafohäuschen.
Für Fotografen ausgesprochen reizvoll waren die kleinstädtischen und dörflichen, fast schon malerischen "Dachlandschaften" der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre: ein Gewirr von Stromleitungen mit ihren Dachanschlüssen und Trafohäuschen, garniert mit Telefonleitungen und einem Meer von Fernsehantennen, welche im Zuge des Satelliten- und Kabelfernsehens ebenfalls fast verschwunden sind.
Bei der heutigen Erdverkabelung braucht es keine Türme mehr, darum sind heute kleine Fertigbaustationen ("Kästen", Kompaktstationen, Trafoboxen) üblich, die kaum einmal mehr als zwei Meter hoch sind. Die Kompaktstationen werden industriell vorgefertigt, sind einfach aufzustellen und billig. Dahin ist die Formen- und Stilvielfalt des vergangenen Jahrhunderts - eine architektonische Verarmung unserer Siedlungen.
Siehe hierzu auch den nachfolgenden Textauszug von Michael Neumann:

 
Der alte Trafoturm - unauffällig aber gefällig
Ein Text von Michael Neumann

Trafoturm Enkenhofen "Als sich das Volk der Dichter und Denker in ein Volk der Techniker und Wissenschaftler verwandelte, als das klappernde Mühlrad verstummen mußte und landauf, landab qualmende Schornsteine emporwuchsen und die Himmel verdunkelten, um helles, sauberes Licht in die finsteren Stuben schicken zu können, wurde ein neuer Gebäudetypus geboren, der zumeist unauffällig aber gefällig am Rande menschlicher Siedlungen errichtet wurde. Wer kennt ihn nicht den alten Trafoturm, aus dessen Bauch ein gefährliches Summen dröhnte (...). Sein Dasein im Schatten der energiegeladenen Kraftwerkkathedralen ist nie so richtig wahrgenommen worden ..."
(... bis im Jahr 2004 die Trafographie entstand, möchte die Redaktion diesem schönen und beinahe poetischen Text ergänzend hinzufügen.)
(zitiert aus: "Zwischen Kraftwerk und Steckdose", Jonas-Verlag 1987)
Anmerkung: Prof. Michael Neumann war Bezirkskonservator in Hessen und Professor an der Philipps-Universität Marburg

Diesen und weitere Literaturtipps findest du - teilweise mit Bezugsquellen - in unserer kleinen Literaturliste.

Und wo wir schon bei interessanten Wahrnehmungen in unserer Umgebung sind: Der große Schweizer Schriftsteller Robert Walser hat einmal geschrieben: "Man braucht garnichts besonderes zu sehen, man sieht so schon viel."
Also Augen und Ohren offenhalten beim Spazierengehen, auf Fahrradtouren - und überhaupt.

 
Beton-Turmstationen

Transformatorenhaus Dornach von 1921   Trafoturm Untermuenstertal   Trafoturm Bodolz   Betonturmstation bei Lovel   Trafoturm Rubenheim
Alte Betonturmstationen in
Dornach   Untermünstertal   Bodolz   Løvel   Rubenheim
Fotos von links nach rechts: Pit Fischer (1+2), Wolfgang Radau, Michael Magnussen, Richard Molke

Beton gilt als der Baustoff des 20. Jahrhunderts und wird es wohl auch im 21. Jahrhundert bleiben. Seine Geschichte ist jedoch wesentlich älter. Meilensteine in der Entwicklung waren der Romanzement 1796, der Portlandzement 1824 und der Stahlbeton 1867. Auch beim Bau von Trafostationen - wie sollte es anders sein - wurde Beton eingesetzt, und zwar ziemlich zeitgleich mit dem Beginn der Elektrifizierung Ende des 19. Jahrhunderts. Das linke Foto zeigt das berühmte Transformatorenhaus beim Goetheanum in Dornach (Schweiz), das 1921 nach den Plänen Rudolf Steiners errichtet wurde. Das mittlere Foto ist die wohl letzte Aufnahme einer alten, in Dänemark seltenen Betonstation bei Løvel in Mitteljütland: Im Februar 2013 wurde der Turm abgerissen. Auf dem rechten Bild (Turmstation Rubenheim im Saarland) sind die hübschen Ornamente auf der Sichtbetonfassade beachtenswert.
Diese alten Turmstationen wurden noch individuell hergestellt, das Dornacher Trafohaus ist sogar ein Unikat. Eine Sonderform stellt der Trafoturm in Untermünstertal dar: dieser wurde aus vorgefertigten Betonelementen an Ort und Stelle zusammengebaut - ein sehr frühes Exemplar dieser Bauweise.
Nach dem 2. Weltkrieg setzte dann ein regelrechter Betonboom ein: mit den Plattenbausiedlungen und Wohnblocks in Sichtbeton setzten sich auch die Beton-Fertigstationen und die Trafotürme in Fertigteilbauweise durch. Diese in industrieller Massenproduktion hergestellten Gebäude werden als hässlich und gesichtslos, oft geradezu als "Bausünden" und "Verschandelung" empfunden. Ästhetik, architektonische Anpassung an Landschaft und Siedlung oder gar künstlerische Gestaltung waren keine Themen mehr. Auch die Heimatschutzarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts, die bei unseren denkmalgeschützten Trafohäuschen immer wieder mit Begriffen wie "Heimatstil" oder "barockisierender Heimatstil" auftaucht, spielte nach 1945 praktisch keine Rolle mehr (siehe Wikipedia: Heimatschutzarchitektur). Unter dem Diktat der Wirtschaftlichkeit und unter dem Zeitdruck, nach dem Krieg möglichst schnell sowohl Wohnraum zu schaffen, als auch das Stromnetz wiederaufzubauen, schossen Betonbauten wie Pilze aus dem Boden.
Nachfolgend mehr zu diesem Thema:

 
Trafostation Wintersulgen   Umspannstation Ruschweiler See   Plattenbaustation Wald/Hohenzollern   Umspannstation Maegerkingen   Trafostation Mottschiess   Trafostation Bieringen Talacker   Trafostation Kiebingen Kieswerk Bischoff   Trafostation Kiebingen Firma Queck
Moderne industriell vorgefertigte Betonturmstationen in
Wintersulgen, Ruschweiler, Wald, Mägerkingen, Mottschieß, Bieringen, Kiebingen Bischoff, Kiebingen Queck
Fotos: Pit Fischer (1-3, 5), Wolfgang Radau (4), Matthias Thalmeier (6-8)
Bildbeschreibung von links nach rechts:
Bild 1: Wintersulgen
Diese Art von Beton-Turmstationen wie der hier gezeigte Trafoturm in Wintersulgen (Baden-Württemberg) wurde ausschließlich von der Firma Betonbau (Waghäusel, Baden-Württemberg) hergestellt. Die Bezeichnung des Bautyps ist "UFT 68", was "Umspannstation in Fertig-Turmbauweise, Entwicklungs- und erstes Produktionsjahr 1968" bedeutet. Die Station war eine Fortentwicklung der "UFT+-", die nur aus Meter-Ringen (Beton-Rechteck-Ringe von 1 Meter Höhe) bestand. Die UFT 68 hatte bereits geschosshohe Fertigteile, so dass Türen und Zwischengeschossdecken schon im Werk eingebaut werden konnten. Diese Entwicklung war möglich, weil es inzwischen anstelle der fahrbaren Gittermastkrane schnell aufbaubare, fahrbare Hydraulik-Autokrane in den Laststufen bis 30 Tonnen gab. Die UFT 68 wurde mit Flachdach ausgeliefert. Nach etwa 15 bis 20 Jahren taten sich Mängel auf, denen mit einem Zeltdach aus einer beständigen Aluminium-Konstruktion begegnet wurde (ebenfalls Gebrauchsmuster der Fa. Betonbau), wie sie beim Turm in Wintersulgen zu sehen ist.
Bild 2: Ruschweiler
Auch die Umspannstation Ruschweiler See (Landkreis Sigmaringen, Baden-Württemberg) der ehemaligen Badenwerk AG (heutige EnBW) ist vom bereits oben bei Wintersulgen beschriebenen Typ UFT 68 in Zellenbauweise der Firma Betonbau. Dieses Exemplar hat statt dem verbreitet zu findenden Flachdach ein Satteldach mit Kunststoffgiebeln in "Holzoptik". Das Satteldach wurde nachträglich, vermutlich von einer örtlichen Dachdeckerfirma aufgebracht.
Bild 3: Wald/Hohenzollern
Diese Turmstation in Plattenbauweise in Wald/Hohenzollern (Baden-Württemberg) wurde von der Fa. Marbeton hergestellt. Marbeton, ansässig in Aitrach im Landkreis Ravensburg (Baden-Württemberg), erstellte früher - als Turmstationen noch häufig gefragt waren - im Gebiet der Energieversorgung Schwaben (EVS), vor allem auch in Oberschwaben und im Bodenseegebiet, das quasi für Marbeton vor der Haustür lag, viele dieser Plattenbauten. Sie ließen allerdings einen so hohen Vorfertigungsgrad wie die oben beschriebenen Typen der Fa. Betonbau nicht zu, ermöglichten aber dafür den Einsatz von leichteren, d.h. auch billigeren Autokranen.
Bild 4: Mägerkingen
Das Foto zeigt die Umspannstation Mägerkingen Festhalle im Landkreis Reutlingen (Baden-Württemberg). Dem Beton-Plattenbau der Firma Marbeton, industrielle Massenware, wurde mit einem strahlend weißen Anstrich und dem nachträglich (vermutlich von einer örtlichen Dachdeckerfirma) aufgebrachten Satteldach mit kunststoffverkleidetem Giebel "in Holzoptik" ein Hauch von Individualität verpasst, was dem Dorfbild sicherlich zugute kommt.
Bilder 5-8:
Die Fotos zeigen Plattenbauten in Mottschieß, Bieringen, Kiebingen (Kieswerk Bischoff) und Kiebingen (Fa. Queck), alle in Baden-Württemberg.

Es gab nicht viele Fertigteil-Werke, die Beton-Turmstationen industriell herstellten. In Deutschland ereigneten sich die ersten Entwicklungen in Baden-Württemberg, dem Bundesland, in dem folgerichtig auch die oben erwähnte Firma Marbeton und der europaweite Marktführer Betonbau ansässig sind. Z.B. setzten die beiden baden-württembergischen Stromversorger Badenwerk und Energieversorgung Schwaben (EVS), die 1997 zur heutigen EnBW fusionierten, Beton-Fertigturmstationen massenhaft ein. Im Norden (z.B. in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, sowie auch im angrenzenden Dänemark) baute man die Stationen noch örtlich Stein auf Stein.
In Baden-Württemberg gab es als Hersteller von Turmstationen in Beton-Fertigbauweise die bereits erwähnten Firmen Betonbau und Marbeton, in Bayern das Werk der Gebrüder Weinzierl in Ingolstadt, das später von Betonbau übernommen wurde, sowie eine weitere Firma in Cham. Da die Fertigteile für Turmstationen sehr gewichtsintensiv waren (für die Bauweise von Betonbau waren 3 Transportfahrzeuge für eine Trafostation erforderlich) und somit die Transportkosten relativ hoch waren, konnten aus Kostengründen derartige Fertigstationen keine allzu weiten Transportwege zurücklegen: 200 km waren ungefähr das Maximum.
Betonbau hatte die Turmstation UFT+- (Ein-Meter-Ringe) gemeinsam mit der Badenwerk AG entwickelt. Zwei Exemplare dieses Typs (in Wintersulgen und Ruschweiler) haben wir oben beschrieben. Die Badenwerk AG bezog in der Folge Stationen nur von Betonbau. D.h. in Baden (bzw. im Versorgungsgebiet des Badenwerks) finden wir fast ausschließlich Betonbau-Stationen. Da der württembergische Energieversorger EVS (Energieversorgung Schwaben) im Wettbewerb zur Badenwerk AG stand, kam es überhaupt nicht in Frage, vom Badenwerk eingesetzte Stationstypen auch bei der EVS zu verwenden, schon erst recht nicht, wenn Badenwerk an der Entwicklung beteiligt war. Deswegen setzte die EVS in ihrem Gebiet (Württemberg) Turmstationen in Plattenbauweise der Firma Marbeton ein.
Diese Vorgehensweise setzte sich auch später bei den Kabelstationen fort, wobei im EVS-Gebiet neben Marbeton die Firme Wirth, Herbrechtingen, zum Zuge kam. Ausnahmen bildeten die selbständigen Stadtwerke, die so gesehen frei in Bezug auf die Lieferanten waren. Erst bei der Fusion von EVS, Badenwerk, Stw. Stuttgart u.a. wurden die technisch besseren und nicht teureren Stationen von Betonbau zu über 70 Prozent im gesamten EnBW-Gebiet eingesetzt.
Das Flachdach bei den Turmstationen erwies sich zwar als kostengünstig, im Laufe der Jahre aber als reparaturbedürftig. Deswegen wurden nachträglich Steildächer aufgesetzt, u.a. die Alu-Konstruktion von Betonbau (entsprechende Transporte und Montage von Werksmonteuren verteuerten bei großen Entfernungen diese Lösung), aber auch mit Ziegeln eigedeckte Dächer von örtlichen Unternehmen. Die Fertigungsschwächen dieser Flachdächer wurden durch verschiedene Methoden und bessere Kenntnis über das Verhalten von Beton (Überarbeitung der DIN 1045) später bei den Flachdächern von begehbaren und nicht begehbaren Kabelstationen ausgemerzt.
Wir haben einige Exemplare solcher Beton-Turmstationen in diese Fotosammlung aufgenommen, verzichten aber darauf, die Dokumentation dieser Stationstypen weiter auszubauen: Zig-tausende dieser Betonbauten stehen überall in der Landschaft und würden schlichtweg den Rahmen unserer Webseiten sprengen.
Zwischen 1980 und 1990 endete in Deutschland die Ära der Freileitungs-Turmstationen: neue Leitungen wurden in Kabelbauweise erstellt, viele der alten Freileitungen wurden und werden auf Erdkabel umgestellt. In anderen europäischen Ländern ist die Entwicklung ähnlich. Die Turmstation und das Freileitungsnetz haben also einen Lebenszyklus von ca. 100 Jahren aufzuweisen, vergleichbar mit der Dampflok.
Heute werden in Deutschland nur noch Kabelstationen aufgestellt, in fast allen Fällen als begehbare Fertigstationen und zunehmend auch als nicht begehbare Kompaktstationen ausgeführt, die in ihrer kahlen Tristesse die Fertigturmstationen noch übertreffen und von Anwohnern oft als "Betonblöcke" oder "Blechkisten" bezeichnet werden.

 
Blech-Turmstationen

Blechturmstation Flejsborg   Blechturmstation bei Lemvig   Blechturmstation bei Tjele   Blechturmstation bei Moldrup   Blechturmstation bei Thorning   Blechturmstation bei Hobro
Von links nach rechts: Dänische Blechstationen in
Flejsborg, Lemvig, Tjele, Møldrup, Thorning, Hobro
Fotos: Michael Magnussen

Blechturmstation Essen von 1926
Blech-Turmstation von 1926 aus Essen
Foto: Christian Schön, mit freundl. Genehmigung der Elektrothek Osterath

Blech-Turmstationen für Freileitungsnetze gab es bereits sehr früh, wie wir am Beispiel der Station in Essen aus dem Jahr 1926 sehen, die heute in der Elektrothek Osterath steht. Später wurden industriell gefertigte Turmstationen aus Stahlblech in ländlichen Gebieten (z.B. bei abgelegenen Bauernhöfen, kleinen Weilern) und außerdem an Orten eingesetzt, an denen sie nur für eine begrenzte Dauer ihre Funktion erfüllen mussten: z.B. auf Baustellen, in Kieswerken, Steinbrüchen oder anderen rohstofffördernden Betrieben. Nach Beendigung der Baustelle bzw. nach Erschöpfung der Rohstoffvorkommen wurden sie einfach wieder vom Netz abgehängt, abtransportiert und (falls noch funktionsfähig) an anderen Orten wieder aufgestellt. Die Fotos der oberen Reihe stammen alle aus Dänemark, wo diese Blechstationen sehr verbreitet waren, heute aber im Rahmen der Umstellung von Freileitung auf Erdkabel nach und nach verschwinden. Auch die heutigen dänischen Kompaktstationen sind in Blechbauweise gefertigt, während andere europäische Länder aus Gründen der Lebensdauer und Nachhaltigkeit hier mehr auf Betontypen setzen.
In Deutschland waren die dreieckigen Wellblech-Fertigstationen der Fa. Wickmann weit verbreitet, von denen wir nachfolgend einige der letzten erhaltenen Exemplare vorstellen:

 
Wickmann-Blechstationen

Wickmannstation Wemding Stadelmuellerweg 1 Wickmannstation Wemding Stadelmuellerweg 2     Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 1 Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 2     Wickmannstation Kieswerk Bittelschiess 1     Wickmannstation Aitrach Campingplatz     Wickmannstation Rulfingen Kieswerk
Wickmannstationen in Wemding, Neubrunn, Bittelschieß, Aitrach und Rulfingen
Fotos von links nach rechts:
Richard Molke (1-2), Pit Fischer (3-5), Werner Boss (6), Wolfgang Isele (7)

Auch die Wickmannstationen sind im Prinzip Turmstationen, mit ihrer entsprechenden Bauhöhe für Freileitungsnetze konzipiert. Die Form ist dreieckig, quasi wie ein Satteldach, das auf dem Boden steht, oder geometrisch-mathematisch korrekt: ein auf der Seite liegendes Prisma. Mit dem Ende der Freileitungs-Ära, wie wir es in diesen Jahren erleben, kam auch das Ende der Wickmannstationen. Wir konnten einige noch in Betrieb befindliche Exemplare dieser aussterbenden Art dokumentieren, die z.B. auf den Seiten Wemding, Neubrunn und Bittelschieß ausführlich beschrieben sind.
Die Fertigstationen aus Wellblech sind typische Erzeugnisse der (späten) 1960er Jahre. Ausgestattet waren sie mit AEG-Kleintrafos. Der Vorteil dieser Stationen war die flexible Aufstellungsmöglichkeit, bevorzugt für den Einsatz an Baustellen. War in der Nähe eine Mittelspannungs-Leitungstrasse verfügbar, konnte man dort einfach und schnell ankoppeln. Die Leistung von 50kVA war mehr als ausreichend für solche Zwecke und belastete ein vorhandenes Netz nicht sonderlich. Im Vergleich dazu: Heute haben Kompaktstationen meist 630kVA, was eine Standardgröße geworden ist. Die 'Blechkisten' hatten den Vorteil, dass sie wenig Gewicht hatten (wurden oft von Baufirmen auf die LKW-Pritsche geladen, Autokran nicht erforderlich, Baukran genügte), sehr billig waren (Wellblech) und per LKW bis in die tiefste 'Prärie' gebracht werden und ebenso schnell auch wieder abgebaut werden konnten.
Auch während der Sanierung alter Turmstationen wurden sie zur Überbrückung während der Umbauzeit eingesetzt. So konnte der Turm verputzt und renoviert werden und die benachbarten Bewohner hatten trotzdem Strom. In Zeiten der Einspeisung von Solarstrom und zunehmender Erdverkabelung ist eine solche Blechstation aber wegen der geringen Trafoleistung und dem Freileitungszugang oft nicht mehr einsetzbar. Man setzt heute sogar für Bauprovisorien einfach eine Kompaktstation hin. Das war natürlich in den 1960ern undenkbar. Unterm Strich haben sich diese Kisten überlebt und stehen heute noch vereinzelt auf den Grundstücken der Energieversorger herum. Sie werden bereits in Auktionen angeboten, finden aber nur wenig Zuspruch, was wohl auch am potenziell PCB-haltigen Trafo liegen wird. Da kommt die drohende Entsorgung teurer und das Blechgehäuse ist ja nach etwa 40 bis 50 Jahren auch ein Rostopfer. Kratzer und Beulen durch das ständige Verladen haben am verzinkten Blech oft Ansatzpunkte für Rost erscheinen lassen.
Die drei von uns fotografierten Stationen versorgen keine Baustellen, sondern sind etwas längerfristiger ins Netz eingebunden: Neubrunn und Bittelschieß sind Kieswerk-Trafos, Wemding steht bei einem Vereinsheim. Aber auch die Ausbeutung von Kiesgruben ist von vorübergehender Natur, sodass sich eine richtige Turmstation aus Mauerwerk oder Beton hier oft nicht gelohnt hat - eine Blechstation war wesentlich billiger und konnte einfacher wieder abgebaut werden.
Neben dem Verschwinden von Freileitungen waren vor allem auch die fehlende Nachhaltigkeit und die mangelnde Marktfähigkeit gegenüber fabrikfertigen Betonstationen und Kompaktstationen Gründe für das Verschwinden des Wickmanntyps und ähnlicher Freileitungsstationen. Anstelle der von Wickmann eingesetzten 50 kVA-Transformatoren wird heute von den Stadtwerken und Stromversorgern für eine bei steigendem Strombedarf spätere Aufrüstung eine Auslegung jeder Ortsnetzstation für 630 kVA verlangt. Auch die später immer härter werdenden Anforderungen an Sicherheit und Lebensdauer konnten nicht mehr erfüllt werden. Heutige Stationen müssen eine Lebensdauer von 50 Jahren garantieren und können auch 100 Jahre und mehr halten.
Die Firma Wickmann wurde kurz nach dem ersten Weltkrieg von Karl und Richard Wickmann als Reparaturbetrieb in Dortmund gegründet. Später entwickelte sie sich mit Standort in Witten-Annen zu einer elektrotechnischen Firma, die u.a. Sicherungen herstellte, die hier beschriebenen Wickmannstationen und schließlich auch Beton-Kompaktstationen mit eigenen Mittelspannungs-Schaltern. Auf dem Sektor Mittelspannungs-Schaltanlagen wurden sie von den großen Konzernen wie Siemens oder Schneider mit der noch kompakteren und betriebssichereren SF6-Technik mit isolierten MS-Schaltern ausgebootet - wie fast alle mittelständischen Firmen außer Driescher. 2004 wurde Wickmann von Littelfuse (USA) aufgekauft. Nach der Verlagerung der Produktion nach China wurde die Firma 2006 ganz geschlossen.


Abgewrackte Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 1 Abgewrackte Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 2 Abgewrackte Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 3 Abgewrackte Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 4 Abgewrackte Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 5 Abgewrackte Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 6 Abgewrackte Wickmannstation Kieswerk Neubrunn 7
Einblicke in eine abgewrackte Wickmannstation am Kieswerk Neubrunn
Fotos: Pit Fischer, 2012
Auf den Fotos sehen wir Innenaufnahmen der stillgelegten Wickmann-Station beim Kieswerk Neubrunn bei Illmensee in Oberschwaben. Neben einer noch in Betrieb befindlichen Trafostation liegt diese bereits abgebaute, die wohl auf die Verschrottung wartet. Das Wrack wurde offensichtlich schon ausgeschlachtet, der Trafo fehlt. Ebenso wurden die HH-Sicherungseinsätze bereits ausgebaut, die Verkabelung liegt am Boden. Einzig die Überspannungsableiter neben den Einführungen am Kopf sind noch dran. Auf dem Trennschalter ist das Typenschild von AEG zu sehen. Daraus lässt sich ableiten, dass diese Trafos in Zusammenarbeit zwischen Wickmann und AEG entstanden. Weiterhin sieht man die Reste der Niederspannungsschalttafel mit Sicherungshalter und Anzeigegeräten für Spannung und Stromstärke sowie einige kleine Steckdosen zum direkten Anschluss von Geräten. Die Verwendung der Stützer aus Kunstharz im Innern zeigt uns auch hier, dass Wickmannstationen typische Erzeugnisse der 1960er Jahre waren.
In unserem Kapitel Innenansichten von Turmstationen konnten wir bereits einige ähnliche Einblicke in stillgelegte Stationen dokumentieren.

 
Maststationen

Maststation Sylvenstal bei Pfullendorf     Maststation Steig im Allgaeu     Masttransformator bei Hjarbaek     Maststation mit 2 Trafos in Oberbayern
Maststationen in Sylvenstal, Steig und Hjarbæk, Doppel-Maststation St. Wolfgang
Fotos v.l.n.r.: Siegwardt Puerrhus, Richard Molke, Michael Magnussen, Max Hergenröder

Maststationen (Masttransformatoren, Masttrafos), werden seit den 1950er Jahren in ländlichen Gebieten in Freileitungsnetzen eingesetzt und sind die minimalistischste Version von Turmstationen - quasi eine kleine Turmstation ohne Turm. Ein Masttransformator ist ein auf einem Mittelspannungsmast montierter Transformator. Wegen des hohen Gewichts von Transformatoren werden Masttransformatoren in Deutschland nur für Spannungen bis etwa 30 kV eingesetzt. Als Masttransformatoren können gewöhnliche ölisolierte Transformatoren meist bis zu einer Nennleistung von 160 kVA eingesetzt werden. Bei entsprechender Masttragfähigkeit sind auch Transformatoren mit einer Nennleistung von 250 und - in Deutschland allerdings nicht üblich - 400 kVA möglich.
Im Regelfall werden Maststationen zur Versorgung außerhalb von Orten liegender Abnehmer, z. B. Bauernhöfen oder Stromeinspeisern verwendet. Vielfach werden aber auch Wohnplätze mit z. B. 50 Häusern, also größere Weiler, über Maststationen mit elektrischer Energie aus dem Mittelspannungsnetz versorgt.
Seit Beginn der 1990er Jahre werden allerdings aus Gründen des Gewässerschutzes (keine Ölrückhaltevorrichtung), geringen Kostenvorteilen gegenüber Trafostationen in Kleinstausführung und aus optischen Gründen in Deutschland keine, bzw. nur noch sehr vereinzelt Maststationen errichtet.
(Quelle: Wikipedia-Artikel 'Masttransformator')
In Wasserschutzgebieten werden verstärkt alte Öltrafos durch Gießharztrafos auch auf Maststationen ausgewechselt. Gießharztrafos kommen nur mit Luftkühlung und Isolation durch das Kunstharz aus. Zum Schutz gegen die Witterung sind dann Blechgehäuse um den Trafo angebracht und es gehen drei isolierte MS-Kabel statt der üblichen Porzellandurchführungen aus dem Gehäuse.
Die Maststation ist nicht eigentlich Thema der Trafographie und damit dieser Fotosammlung. Zur Veranschaulichung und wegen der großen Verbreitung auf dem Land wurden einige Exemplare aufgenommen, z.B. die Maststationen in Steig (bei Christazhofen, Allgäu), Sylvenstal (Pfullendorf, Linzgau), und bei Hjarbæk in Dänemark. Das dänische Exemplar (drittes Bild von links) ist insofern untypisch für einen Masttransformator, weil es nicht mehr über Freileitungen angeschlossen ist, sondern über Erdkabel. Lediglich der Mittelspannungsmast, auf dem der Transformator befestigt ist, stammt noch aus der Freileitungszeit. Die Mittelspannung kommt per Erdkabel an, wird am Mast zum Transformator hochgeführt, dort auf Niederspannung (Haushaltsstrom) heruntertransformiert und gelangt auch wieder über Erdkabel zum Endverbraucher.
Sonderform Doppelmaststation
Das Foto oben rechts stellt eine nicht oft anzutreffende Besonderheit dar: hier sind gleich zwei Trafos auf einem Mast montiert, was wir bisher noch nirgends gesehen haben. Dies könnte eine Lösung des Gewichtsproblems darstellen. Ein 400 KVA-Trafo ist schwerer als ein 250 KVA-Typ. Beide Trafos sind offensichtlich parallel geschaltet, sie haben auch nur einen Satz HH-Sicherungen. Möglicherweise war die benötigte Gesamtleistung höher als ein maximal mit 400KVA belastbarer Einzeltrafo hätte erbringen können. Da wird es dann schon schwierig mit dem Podestbau. Deshalb zwei kleinere parallel geschaltet, wenn der Mast ausreichend Höhe hat. Die Trafos sehen auch noch recht neu aus, ggf. war es eine Netzverstärkungsmaßnahme, etwa wegen vermehrter erneuerbarer Energieeinspeisung. Die Doppelausführung könnte auch aus einem Trafo für die Versorgung der Allgemeinheit plus einem Übergabetrafo für das Sägewerk (werkseigener Trafo entweder mit Extra-Tarif oder für Maschinen, die mit höheren Spannungen als 400 Volt betrieben werden) bestehen.
Dieser Doppel-Trafo wurde von Max Hergenröder an der B15 zwischen Dorfen und St. Wolfgang im Landkreis Erding gefunden, gegenüber einem Sägewerk im Ortsteil Öd der Gemeinde St. Wolfgang.

 
Kabelstationen

Kabelstation Augsburg Mittlerer Graben Trafostation Leipzig-Leutzsch Bluethnerstrasse Kabelstation Sassnitz auf Ruegen Litfasssaeulenstation Berlin 1957 Kabelstation Hoisbuettel Trafostation Hamburg Volksparkstadion Kabelstation in Fredericia
Kabelstationen in
Augsburg, Leutzsch, Sassnitz, Berlin, Hoisbüttel, Hamburg, Fredericia
Fotos: Richard Molke (1), Günter Sonne (2), Pit Fischer (3,5,6), Christian Schön (4), Michael Magnussen (7)

Bildbeschreibung von links nach rechts:
Bild 1: Das Foto zeigt eine alte städtische Kabelstation in Augsburg. Die "Trafostation Nr. 9" steht in der Straße "Mittlerer Graben" bei der Haltestelle Pilgerhausstraße und wurde 1912 erstellt. In den Jahren 1952, 1982 und 1988 gab es Umbauten und Sanierungen der Station, 2006 wurde sie außer Betrieb genommen. Das Gebäude wurde im Rahmen einer gemeinsamen Aktion der Stadtwerke Augsburg (swa) mit dem Graffiti-Verein Die Bunten e.V. künstlerisch gestaltet.
Bild 2: Die denkmalgeschützte Trafostation in Leipzig-Leutzsch wurde 1910 im Stil der Belle Epoque erbaut. Ungewöhnlich ist hier, dass für eine Erdkabelstation die Turmform gewählt wurde. Der Typ Turmstation ist wegen der nötigen Bauhöhe für Freileitungsnetze konzipiert. Alle unsere bisher dokumentierten Kabelstationen sind Flachbauten.
Bild 3: Die Kabelstation Weddingstraße in Sassnitz auf der Insel Rügen wirbt farbenprächtig für das Nationalparkzentrum Königsstuhl.
Bild 4: Hier haben wir ein Unikum: eine Litfaßsäulen-Ortsnetzstation mit drehbarem Außenmantel. Diese kleine Kabelstation wurde 1957 erbaut und stand einst in der Mohringer Allee in Berlin. Heute kann sie in der Elektrothek Osterath bestaunt werden. (Veröffentlichung des Fotos auf unseren Seiten mit freundl. Genehmigung der Elektrothek Osterath)
Bild 5: In Norddeutschland wurden auch neuere Kabelstationen teilweise noch in traditionellem unverputzten Backsteinmauerwerk ausgeführt, so auch die hier gezeigte Station Hoisbüttel in Schleswig-Holstein. Aber auch hier setzen sich mehr und mehr die fabrikfertigen Stationen durch.
Bild 6: Das denkmalgeschützte Hamburger Trafohäuschen von 1926 im Altonaer Volkspark - ein Werk des Architekten Gustav Oelsner
Bild 7: Die Kabelstation des Dänischen Stromlieferanten Trefor steht in der alten süddänischen Garnisonsstadt Fredericia am Kleinen Belt. Wie in Norddeutschland überwog auch in Dänemark die Backsteinbauweise.

Kabelstationen hängen nicht wie alle bisher oben beschriebenen Stationsformen am Freileitungsnetz (blanke unisolierte Drähte, Fachausdruck: Leiterseile), sondern werden über isolierte Kabel (unterirdisch) mit Strom versorgt und geben diesen dann nach der Transformation auch wieder per Kabel ab.
Die Elektrifizierung der Welt ging von den großen Städten aus, z.B. bei der Straßenbeleuchtung. Anfangs bediente man sich eines Gleichstromnetzes. 1884 wurde der erste Transformator präsentiert, ab der Jahrhundertwende 1900 trat der Wechselstrom seinen Siegeszug an. Durch die große Bebauungsdichte in den Städten kamen Freileitungen oft nicht in Frage, hier gab es sehr früh schon Kabelnetze. Um 1900 entstanden auch die ersten Kabelstationen, entweder als Flachbauten, kleine und kleinste Manteltransformatoren oder sogar als Einbauten in bestehende Gebäude. Durch die geringen Entfernungen waren die gegenüber Freileitungen teureren Kabel wirtschaftlich, sie "rechneten sich", um ein gängiges Schlagwort der Marktwirtschaft zu gebrauchen.
Wir zitieren aus dem Wikipedia-Artikel Erdkabel:
"Ein Erdkabel ist ein im Erdboden verlegtes Strom- oder Nachrichtenkabel mit einer besonders robusten Isolierung nach außen (Kabelmantel), die eine Zerstörung derselben durch chemische Einflüsse im Erdreich bzw. im Boden lebender Kleintiere (Nagetiere) verhindert. (...)
Erdkabel besitzen gegenüber Freileitungen einige Vorteile. Sie sind gegen Beschädigungen, unter anderem durch Witterungsunbilden wie Sturm, Hagel und Blitze hervorragend geschützt. Außerdem ist bei niedrigen Spannungen (unter 110 kV) ihre elektromagnetische Verträglichkeit besser. Erdkabel stören das Landschaftsbild weniger als Freileitungen. Außerdem gefährden sie im Gegensatz zu Freileitungen Vögel nicht." (siehe hierzu auch unsere Themenseite zum Vogelschutz)
Auf dem Land, wo die Besiedlungsdichte spärlich war, konnten sich erst später genügend Abnehmer finden, die eine Investition der erforderlichen Infrastruktur in die öffentliche Stromversorgung rechtfertigten. Wegen der im Vergleich zu den Städten wesentlich weiteren Entfernungen vom Produzent zum Abnehmer und von Abnehmer zu Abnehmer war anfangs eine Verkabelung zu teuer, so dass Freileitungen eingesetzt wurden und durch den nötigen Abstand der stromführenden Drähte vom Boden (und damit von Mensch und Tier) auch die Transformatorenstationen als Hochbauten errichtet wurden: die Turmstationen, oder volkstümlich Trafotürme, Stromtürme oder Trafohäuschen, die den Schwerpunkt unserer Webseiten bilden.
Die Umstellung auf Kabel erfolgte in großem Stil erst weit nach dem 2. Weltkrieg, nachdem die Energieform "Strom" eine so große Anwendung gefunden hatte, dass die nun erreichte hohe Energiedichte eine Verkabelung auch auf dem Lande möglich machte. Kabel sind zwar teurer, Kabelstationen andererseits aber billiger. Nicht zuletzt spielten auch Sicherheitsgründe und in neuester Zeit auch gesetzliche Auflagen für den Vogelschutz eine Rolle.
Nun begann erstens eine Abrisswelle von Turmstationen, die durch den Abbau von Freileitungen überflüssig geworden waren, zweitens der Siegeszug der fabrikfertigen kleinen Fertigkabelstationen, wie sie nun auch auf dem Land zunehmend massenhaft in Form von garagenartigen Betonquadern und kleinen Kompaktstationen zu finden sind. Hier ist eine analoge Entwicklung wie bei den Turmstationen zu beobachten: Auch die Kabelstationen wurden anfänglich in großer Formen- und Stilvielfalt individuell gebaut, oft an die Umgebung angepasst, manchmal sogar von namhaften Architekten konstruiert, von ortsansässigen Handwerkern, Klein- und Mittelstandsbetrieben ausgeführt. Im Lauf der Zeit setzte auch hier - wie durchgängig in allen Wirtschaftsbereichen - ein Konzentrationsprozession ein, der uns schlussendlich heute die allerorts zu findende industrielle Massenware übrig ließ, hergestellt von nur noch wenigen großen, oft international agierenden Firmen.
Ein paar Beispiele solcher Fertigstationen stellen wir nachfolgend vor:

 
Kabel-Fertigstationen und Kompaktstationen

Begehbare Fertigstation in Sentenhart Kompaktstation Bleiche bei Tuttlingen Station Fuerstrasse Tuebingen Begehbare Kabelstation in Bruckfelden Kabelstation Frickingen Austrasse Kabelstation Ueberlingen
Kabel-Fertigstationen in
Sentenhart, Tuttlingen, Tübingen, Bruckfelden, Frickingen, Überlingen
Fotos v.l.n.r.: Pit Fischer (1-2,4-6), Matthias Thalmeier (3)

Fabrikfertige Kabelstationen können sowohl "begehbare" als auch "nicht begehbare" Stationen sein. Die nicht begehbaren, die eine maximale Höhe über Erdreich von 1,80 Meter haben, werden auch als Kompaktstationen bezeichnet. Begehbare Stationen haben eine Mindesthöhe von 2,30 Meter über Erdreich. Für fabrikfertige Stationen gilt die Norm DIN EN 62271, Teil 202.
Kabelfertigstationen werden in Beton, Blech und Kunststoff hergestellt. Der Energiekonzern RWE hat wohl die meisten Blech-Kompaktstationen im Netz, weil diese von ihrer Tochterfirma Lahmeyer in Mechernich stammten (heute SGB in Sachsen bzw. SBG-Smit Group, siehe oben zweites Bild von links).
Kabelfertigstationen werden heute teilweise mit komplettem Elektro-Ausbau quasi "all inclusive" geliefert: Station aufstellen, Kabel anschließen - fertig.
Industriell gefertigte Kabelstationen sind jedoch nicht Thema unserer Webseiten und werden nur ausnahmsweise zur Vervollständigung oder unter künstlerischen oder anderen interessanten Aspekten aufgenommen.

Bildbeschreibung von links nach rechts:
Bild 1: Begehbare Fertigstation der Fa. Betonbau mit der Markenbezeichnung UFK-Station in Sentenhart, Baden-Württemberg. Dieser Stationstyp ist in Deutschland der einzige, der seit 1965 bis heute mit unverändertem Grundriss von 2,88 x 2,16 m geliefert wird und von dem im ehemaligen Versorgungsgebiet der Badenwerk AG (heutige EnBW) sicher über 5000 Stück errichtet wurden (1990 hatte sie 25-jähriges Jubiläum und 4000 Stück erreicht), meist mit Flachdach und Überdach-Rundumentlüftung, gelegentlich auch - wie hier - mit werksseitig geliefertem Satteldach und dunklen eloxierten Alu-Türen.
Bild 2: Kompaktstation Nendingen Bleiche bei Tuttlingen, Baden-Württemberg. Es handelt sich um eine im Jahr 2009 installierte Lahmeyer Compactstation vom Typ LCS-E.7 der Fa. SGB Starkstrom (Sächsisch-Bayerische Starkstrom-Gerätebau GmbH), heute ein Tochterunternehmen der SGB-SMIT Group. Die Station ist 2 Tonnen schwer.
Bild 3: Holzverkleidete Fertigstation Fürststraße in Tübingen, Baden-Württemberg, Baujahr 2006. Die Kompaktstation hat innen einen Schaltschrank und eine gasisolierte SF6-Schaltanlage (Schwefelhexafluorid). Sie ist gut schallisoliert: das Trafobrummen ist kaum wahrnehmbar. Der mit wilden (illegalen) Graffitis besprühte Kasten ist außen mit Holzlatten verkleidet, möglicherweise zur Verschönerung, möglicherweise aber auch eine Schutzmaßnahme vor weiteren Sprayaktionen, da Trafostationen beliebtes Ziel von Graffiti-Sprayern sind (siehe hierzu auch unsere Rubrik Wandmalerei und Graffiti).
Bild 4: Begehbare fabrikfertige Kabelstation der Firma Betonbau, erkennbar an der Tür mit Untertürbelüftung, dem Stationsschloss und der Konstruktion des Regenfallrohres. Die Station steht in Bruckfelden bei Überlingen, Baden-Württemberg.
Bild 5 und 6: Stadtwerke und andere Stromversorger gehen in den letzten Jahren immer öfter dazu über, ihre Trafostationen künstlerisch gestalten zu lassen. Einerseits sollen dadurch die hässlichen Kleinbauten verschönert werden, andererseits soll auch das wilde (illegale) Graffiti-Sprayen verhindert werden. Die beiden Fotos zeigen begehbare fabrikfertige Kabelstationen (Hersteller: Betonbau, erkennbar jeweils an der Dach-Rundumentlüftung) in Frickingen und Überlingen.

 
Schaltwerk - Schaltstation - Lastverteilerwerk

Schaltwerk Voellkofen Schaltwerk Hattenweiler Schaltwerk Neresheim Schaltwerk Mengen Schaltwerk Harburg
Völlkofen   Hattenweiler   Neresheim   Mengen   Harburg

Schalthaus Hindenburgdamm Schaltstelle Eschach Schaltwerk Krauchenwies Schaltwerk Wald Schaltwerk Ruschweiler Schaltwerk Bondorf Schaltstation Amertsfeld
Berlin  Eschach  Krauchenwies  Wald  Ruschweiler  Bondorf  Amertsfeld

Neue Umspannstation Gauingen
Gauingen

"Ein Lastverteilerwerk (auch als Schaltwerk bezeichnet) ist eine wie ein Umspannwerk ausgeführte Schaltanlage, in der aber im Unterschied zu einem Umspannwerk nur Schalthandlungen in der Schaltanlage vorgenommen werden und keine Transformation der elektrischen Spannung in unterschiedliche Ebenen stattfindet. Äußerlich gesehen sieht ein reines Lastverteilerwerk aus wie ein entsprechendes Umspannwerk, aber es fehlen entsprechende Transformatoren und Schaltanlagen für verschiedene Spannungen. Selbstverständlich kann auch ein Umspannwerk die Aufgaben eines Lastverteilerwerks übernehmen und es ist auch in den meisten Fällen möglich, ein reines Lastverteilerwerk durch Aufstellen von Transformatoren und Errichten weiterer Schaltanlagen in Umspannwerke umzubauen."
(Quelle: Wikipedia-Artikel 'Lastverteilerwerk')
Im Bereich Mittelspannung existieren ungemein viele Bezeichnungen für Trafostationen, z.B. in Süddeutschland auch Schaltwerk für eine Turmstation. Das liegt daran, dass in ein und demselben Gebäde sowohl eine Schaltstation als auch eine Trafostation untergebracht sein kann. Hier gehen die Begrifflichkeiten etwas durcheinander, es gibt regionale Unterschiede, teilweise haben sich die Benennungen auch im Lauf der Zeit gewandelt. Für Baden-Württemberg ist zum Beispiel bekannt, dass die EVS deutlich abweichende Kennzeichnungen der Leitungen an ihren Hochspannungsmasten verwendet hat. Die später aus EVS und Badenwerk entstandene EnBW hat die EVS-Begriffe teilweise übernommen. (siehe auch unter Transformatorenstation)

 
E-Werk - Umspannwerk - Kraftwerk

Das Elektrizitätswerk oder E-Werk ist die frühere Bezeichnung sowohl für ein Kraftwerk zur Stromerzeugung, für ein stromproduzierendes Energieversorgungsunternehmen als auch für ein Umspannwerk.
Ein Umspannwerk ist Teil des elektrischen Versorgungsnetzes eines Energieversorgungsunternehmens und dient der Verbindung unterschiedlicher Spannungsebenen. Wie eine Transformatorenstation oder Umspannstation die Spannung von der Mittelspannung auf die Gebrauchsspannung (z.B. 220/400 Volt) transformiert, transformiert ein Umspannwerk die Transportspannung von z.B. 220/380 kV bzw. die Verteilspannung von 110 kV auf die Mittelspannung von 10 bis 36 kV. Umspannwerke bestehen neben den Leistungstransformatoren immer aus Schaltanlagen, aufgebaut als Freiluftschaltanlage oder in gekapselter Form als gasisolierte Schaltanlage und weiteren Einrichtungen zur Mess- und Regeltechnik.
Anlagen ohne Transformatoren werden auch als Lastverteilerwerk (Lastverteiler oder Schaltwerk) bezeichnet.
Es gibt auch die Bezeichnung 'Unterwerk'. In der Schweiz werden Umspannwerke einfach Unterwerk genannt. In Deutschland gibt es den Begriff auch: Umspannwerke der DB Energie nennt man Unterwerk.
(Quellen: Wikipedia-Artikel Umspannwerk und Elektrizitätswerk)

Nachfolgend werden einige Beispiele für Umspannwerke und Wasserkraftwerke vorgestellt:


Altes E-Werk Singen 1 Altes E-Werk Singen 2 Altes E-Werk Singen 3 Altes E-Werk Singen 4 Altes E-Werk Singen 5 Altes E-Werk Singen 6 Altes E-Werk Singen 7
Umspannwerk in Singen am Hohentwiel von 1912
Fotos: Pit Fischer, 2012
Das alte E-Werk befindet sich am nordwestlichen Stadtrand von Singen in der Duchtlinger Strasse 1. Das denkmalgeschützte Gebäude ist in dieser Region ein einzigartiges Dokument der Industriearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts und technikgeschichtlich wohl das interessanteste Zeugnis der Hegau-Elektrifizierung. Der Strom wurde vom Wasserkraftwerk Laufenburg (Wikipedia) am Hochrhein geliefert und von hier in die Industriestadt Singen (z.B. zur Firma Maggi) und die Hegau-Gemeinden verteilt. Viele der alten Trafostationen, die wir bereits auf unseren Seiten aus dem Landkreis Konstanz vorgestellt haben, bezogen von hier die Elektrizität. Hier wurde Hochspannung vom Kraftwerk Laufenburg (Schweiz) über das Überlandnetz eingeführt und intern in Mittelspannung (hier: 10 und 15 KV) umgewandelt. In der Schweiz wurde damals eine Hochspannungsebene von 47 KV verwendet, in Deutschland waren es 50 KV (Vorläufer der 110KV-Ebene).
Siehe ausführlich unter Das E-Werk in Singen von 1912


Umspannwerk Neckartenzlingen 1 Umspannwerk Neckartenzlingen 4 Umspannwerk Neckartenzlingen 3
Umspannwerk Neckartenzlingen
Fotos: Matthias Thalmeier, 2007
Die Fotos zeigen das Umspannwerk Neckartenzlingen, wo 110 kV zu 10 kV transformiert werden. Zu sehen sind jeweils drei Wanddurchführungen für 110KV sowie die stehend angebrachten Überspannungsableiter davor. Eine solch große Wanddurchführung bringt locker 250 KG auf die Waage. Auf dem mittleren Bild ist zu sehen, wo die zwei 110kV-Leitungstrassen abgehen. Eine führt in das USW nach Metzingen (grün), die andere nach Reutlingen Nord (schwarz). Unterhalb des linken Überspannungsableiters ist ein (dosenähnlicher) Zähler angebracht.
Die beiden Transformatoren auf der Rückseite des Gebäudes (nicht abgebildet) sind sogar je 40 Tonnen schwer. Auf der Gebäuderückseite befinden sich nebst den 10 kV-Nullpunktbildnern und Peterson-Spule (zur Erdschlußlöschkompensation) auch wieder zwei mal drei Wanddurchführungen nebst Überspannungsableiter.


E-Werk Saulgau 1 E-Werk Saulgau 2 E-Werk Saulgau 3
Umspannwerk von 1899:
Das Säg- und Elektrizitätswerk Saulgau Carl Platz
Fotos: Pit Fischer, 2011


Wasserkraftwerk Bad Niedernau 1 Wasserkraftwerk Bad Niedernau 2 Wasserkraftwerk Bad Niedernau 3 Wasserkraftwerk Bad Niedernau 4
E-Werk Stengle in Bad Niedernau: ein Wasserkraftwerk am Neckar
Fotos: Matthias Thalmeier, 2012
Hier haben wir ein Beispiel, bei dem der Begriff "E-Werk" für ein stromproduzierendes Unternehmen mit seinem Kraftwerk steht. Kraftwerke waren klassischerweise Wasserkraftwerke. Das E-Werk Stengle (Slogan: "Strom nach deutschem Reinheitsgebot") betreibt seit über 100 Jahren das Stromnetz in der Ortschaft Bad Niedernau. Die Anfänge gehen zurück auf den Firmengründer Christian Stengle, der Dank seines Pioniergeistes Bad Niedernau elektrifizierte. Die erste Stromleitung wurde 1907 in Bad Niedernau verlegt. Wurzel und Kernstück des Betriebs liegen in einer Getreidemühle, die bereits seit 1400 an dieser Stelle betrieben wurde. Im Jahre 1907 wurde die Wasserkraftanlage durch den Einbau einer Francis-Turbine erweitert. Danach wurde die erzeugte und nicht selbst genutzte Energie für die Stromversorgung verwendet. Im Jahre 1970 wurde die Getreidemühle stillgelegt und die gesamte erzeugte Energie nur noch für die Stromversorgung eingesetzt.
Siehe ausführlich unter Das E-Werk Bad Niedernau


Wasserkraftwerk Zollbruck Wasserkraftwerk Todtmoos-Au Wasserkraftwerk Franzenmuehle Wasserkraftwerk Krauchenwies Wasserkraftwerk Wartenberg
Wasserkraftwerke:
Zollbruck, Todtmoos-Au, Schwarzach, Krauchenwies, Wartenberg
Fotos: Pit Fischer, 2011/2012 und Max Hergenröder, 2013 (ganz rechts)


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Stand: 31. Mai 2015
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