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Deutschlands Schicksal: Vor den Schaltern zu stehen - Deutschlands Ideal: Hinter dem Schalter zu sitzen. (Kurt Tucholsky)
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Schalttafeln und Schalter an Trafohäuschen

Schalttafel aus Marmor
Schalttafel aus Marmor
Foto: Richard Molke, 2014
Eng verwandt mit dem Thema Transformatorstationen ist auch das Thema Schalttafeln. Durch Netzsanierung und damit verbundenen Abbruch werden - ebenso wie die Trafotürme - auch Schalttafeln als Dokumente der Technikgeschichte immer rarer.
Auf dem Foto haben wir ein schönes und seltenes Stück einer alten Schalttafel aus einem Trafoturm. Dabei handelt es sich um eine Niederspannungsschalttafel aus Marmor. Darauf montiert ist ein Messwandler-Zähler für je zwei Spannungs- und zwei Stromwandler. Solche Dinge heute noch zu finden grenzt an ein Wunder. Bereits in den 60er und 70er Jahren wurden solche Schalttafeln mit dem Hammer "demontiert" und durch modernere Verteilerarmaturen ersetzt.
Inschrift auf der Tafel: "Achtung! Bei Trennung des Ortsnetzes auch Straßenbeleuchtung abschalten. Sicherungseinsätze herausnehmen und entfernen!"


Schalttafel im Trafoturm SFGHH 4 bei Orslevkloster
Schalttafel im Trafoturm Ørslevkloster in Dänemark
Fotos: Michael Magnussen, 2012
Die Mamor-Schalttafel ist in der historischen Trafostation SFGHH 4 bei Ørslevkloster in Dänemark zu besichtigen. Der Turm steht offen und ist fast ein kleines technisches Museum in Sachen Trafohäuschen.
Die abgebildete Schalttafel zeigt zwei vorgesehene Niederspannungsstromkreise mit jeweils drei Sicherungseinsätzen, hier noch ohne Sandfüllung. Zur Überprüfung, ob eine Sicherung noch intakt war oder bereits ausgelöst hatte, war die seitlich verankerte Prüfleitung gedacht. Diese war entweder an ein Messgerät oder an eine Prüflampe gegen den Neutralleiter geschaltet. Leuchtete diese Prüflampe bzw. zeigte das Messgerät einen Ausschlag, sobald man eine Seite der Sicherung berührte, und fehlte dieses Signal bei Berührung des anderen Endes dieser Sicherung, so konnte man daraus schließen, dass der Sicherungseinsatz ausgelöst hatte und erneuert werden musste.
Schön zu erkennen sind ferner die beiden jeweils dreipoligen Hebelschalter mit nacheilenden Schaltmesserkontakten. Diese wurden durch Federkraft gespannt und unterbrachen beim Ausschaltvorgang alle drei Phasen gleichzeitig. Durch die schnellende Bewegung der Schaltmesser wurde ebenso ein möglicher Abreißlichtbogen vermindert, bestenfalls ganz unterbunden. Auf eine etwaige Abdeckung der Schalterpfade wurde verzichtet. Zum Vergleich: ein abgedeckten Schalter auf der Abbildung ganz oben auf dieser Seite. Ein solcher Schutz dient(e) der Sicherheit des Bedienpersonals etwa dann, wenn man nach dem Sicherungswechsel auf einen noch vorhandenen Fehler (Kurzschluss) im Ortsnetz unbeabsichtigt aufschalten wollte. Solche Schalthandlungen brachten meist einen erheblichen Funkenregen mit sich und gefährdeten das Bedienpersonal. Ebenso mutet die Anordnung der Schalter seltsam an, wenn man bedenkt, dass der Schaltberechtigte mit seiner Hand beim Schließen des Messerschalters direkt in der Ausblasrichtung der Sicherung agieren musste. Löste eine solch starke Sicherung aus, so war dies mit dem Austritt von heißen Abgasen durch das Verdampfen des Schmelzleiters verbunden. Auch deshalb setzten sich die später entwickelten NH-Sicherungseinsätze mit Sandfüllung durch. Eine solche Schaltanlage wie in dieser historischen Turmstation ist wohl auch in Dänemark heute so nicht mehr vorstellbar.


Marmorschalttafel im Trafoturm Oftringen Aeschwuhr
Marmorschalttafel aus den 1930/40er Jahren im Trafoturm Oftringen im Kanton Aargau
Foto: Werner Boss, 2013
Die Tür zu der stillgelegten und allmählich verfallenden Schweizer Trafostation Oftringen steht offen. So wurde dies Foto möglich. Vorher haben aber schon findige Vögel den offenen Eingang entdeckt und ein Nest auf der Schalttafel gebaut.

Schalttafel am Trafoturm Bleiche 1 Schalttafel am Trafoturm Bleiche 2 Schalttafel am Trafoturm Bleiche 3 Schalttafel am Trafoturm Bleiche 4 Schalttafel am Trafoturm Bleiche 5
Schalttafel aus den 1910er Jahren am Trafoturm Bleiche bei Tuttlingen
Fotos: Pit Fischer, 2012
Die Fotos zeigen die Ruine einer Schalttafel an der alten Trafostation Bleiche bei Tuttlingen, ganz rechts die Rückseite der Schalttafel vom Turminneren aus. Man sieht noch das Herstellerschildchen von Siemens Schuckert. Auch die Reste des alten Drehspulmesswerkes (oben rund) und der Schraubsicherungen sind noch erhalten geblieben.

Holzschalttafel im Trafoturm Brakker Stationsvej 1 Holzschalttafel im Trafoturm Brakker Stationsvej 2
Holzschalttafel am Trafoturm Brakker Stationsvej in Dänemark
Fotos: Michael Magnussen, 2014
Während wir bisher in alten Turmstationen Schalttafeln aus Marmor angetroffen haben, konnten wir an der Trafostation Brakker Stationsvej in Süddänemark erstmals eine Schalttafel aus dem Werkstoff Holz dokumentieren. "Konnten" und nicht "können" - der alte Trafoturm wurde im März 2014 abgerissen. Die von außen abgelichtete Holzschalttafel stammt noch aus der Erbauungszeit der Station. Die Holzabdeckung war vor dem Abriss noch immer mittels Sperrriegel und Vorhängeschloss gegen unbefugten Zugriff gesichert. Das Holz hat es sich aber anders überlegt und die Flucht nach vorn (bzw. genauer gesagt: nach unten) angetreten (siehe rechtes Foto). Die erkennbaren Röhrensicherungen stammen ebenfalls aus der Erbauungszeit, der gekapselte Schalter wurde nachträglich montiert, ebenso die mit Kunststoff isolierten Kabel und die Phasenmarkierungen R, S und T. Hier wäre dringend Modernisierungsbedarf angebracht gewesen. Stattdessen entschied sich der Energieversorger für Abbruch des hübschen und architektonisch interessanten Türmchens.

Schalter
Alter Schalter einer Turmstation
Foto: Richard Molke, 2007
Die Schalter sind Nachfahren der Typen auf den Marmortafeln. Sie waren meist in die Frontplatten von Schaltschränken eingebaut, der eigentliche Schalter lag dahinter versteckt. Aus diesem Grunde waren dann auch die Abdeckhauben aus lackierter Pappe und Asbestauskleidung wie auf der Marmortafel oben zu erkennen, überflüssig.

Schalter am Trafoturm Weissenhaus 1 Schalter Schalter am Trafoturm Weissenhaus 2 Schalter an der Turmstation Rohrberg 1 Schalter an der Turmstation Rohrberg 2
Schalter an den Turmstationen Weißenhaus und Rohrberg
Fotos: Pit Fischer, 2011 und 2012
Die beiden Bilder links zeigen einen Schalter des Trafoturms im Gutsdorf Weißenhaus in Schleswig-Holstein. Normalerweise waren hinter diesen kleinen Metalltüren an den Turmseiten Schalter für einzelne Leitungszweige untergebracht, ebenso für die Straßenbeleuchtung. Hier haben wir es wohl mit einer Ein-bzw. Ausschaltmöglichkeit für einen abgehenden Niederspannungszweig (ein Straßenzug,...) zu tun. Auch ein später eingeführtes Niederspannungserdkabel, welches auf der internen Schalttafel keinen Platz mehr fand, könnte damit angeschlossen worden sein, etwa ein Großverbraucher wie z.B. ein Handwerks- oder Landwirtschaftsbetrieb. Die Ausführung könnte ab den 40er Jahren verwendet worden sein. Es war früher üblich, nachdem die dampfbetriebenen Dreschmaschinen verschwanden, elektrische Antriebe zu verwenden. Dafür hat man in den Dörfern dann an zentral gelegenen Stellen Anschlussmöglichkeiten geschaffen. So hat man z.B. an Holzmasten einen Abzweig angebracht und ihn nach unten geführt. Dort befand sich dann eine Drehstromsteckdose, oft neben einem Satz Sicherungen nebst Schalter.
Auf den beiden Fotos rechts ist ein Schalter an der Turmstation Rohrberg in Sachsen-Anhalt zu sehen, gesichert durch ein altes Vorhängeschloss. Die Schrift auf dem kleinen weißen Schild neben dem Schalter wurde überklebt, ist aber noch lesbar: "15 kV Ltg TSt Rohrberg 5 Salzwedeler Str". Vor dem Eingang der Mittelspannung in den Turm wird hier ein Abzweig in ein Erdkabel vorgenommen, welcher über diesen Trennschalter per Handbedienung zu- und abgeschaltet werden kann.


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Stand: 21. Mai 2014
Carpe diem

Atomkraft nein danke