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Die schönsten Trafohäuschen Europas
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Umfunktionieren = für einen anderen als den eigentlichen, ursprünglichen Zweck nutzen (Duden)
Umfunktionierung von Trafohäuschen

Bushaltestellen * Schnapsbrennerei * Kleinstkraftwerke * Tierhotels
Kunstobjekte * Museen * Denkmale * Hotelzimmer * Isolatoren

Die gängigste Art der Modernisierung ist auch heutzutage noch der Abriss (siehe auf unserem Trafo-Friedhof). Dass dies nicht so sein muss und dass es weitaus bessere Lösungen gibt, zeigen bereits viele Abbildungen und Texte in dieser Fotosammlung. Wir können uns für einen leerstehenden Trafoturm je nach Größe und Lage z.B. folgende neue Nutzungsmöglichkeiten vorstellen: als Café oder Pizzeria, als Kunstgalerie, als Kiosk, als Postfiliale, als Crêperie, als Schuhreparaturwerkstatt, als Schlüsseldienst, als Ferienwohnung, als Solar- oder Windkraftwerk, als Museum - oder als Studentenwohnheim ;-)
Denkbar sind auch Kombinationen aus mehreren Funktionen: ein denkmalgeschützter Turm mit Einfluglöchern und Nistmöglichkeiten für Schleiereulen, Turmfalken und Fledermäuse. Oder ein Café, das seine Energie aus der turmeigenen Kleinstsolaranlage bezieht. Wegen der meist kleinen Grundrisse ist Kreativität gefragt.
Wir stellen hier einige bereits realisierte Beispiele für sinnvolle und originelle Umfunktionierungen von stillgelegten Trafohäuschen vor:
 
Bushaltestellen

Bushaltestelle Meetschow 18 Bushaltestelle Meetschow 9 Bushaltestelle Meetschow 12 Bushaltestelle Meetschow 10 Bushaltestelle Meetschow 13 Bushaltestelle Meetschow 14 Bushaltestelle Meetschow 21
Das Trafohäuschen Meetschow im Wendland als Bushaltestelle
Fotos: Pit Fischer, 2011
Dieser schmucke Turm dient dem kleinen Dorf Meetschow als Bushaltestelle. Er steht an der Durchgangsstraße Nähe Eichenweg 1-4. Meetschow liegt zwischen Vietze und Gorleben, nicht weit von der Elbe. Ein bauliches Glanzstück seiner Zeit, ist der Trafoturm aus dem Ortsbild nicht mehr wegzudenken. Die Kombination aus architektonischem und technikgeschichtlichen Denkmal und praktischer Verwendung in der Jetztzeit ist faszinierend.
Weitere Bilder und Infos zur Bushaltestelle Meetschow

Bushaltestellentrafohaeuschen Neuhaus 7 Bushaltestellentrafohaeuschen Neuhaus 2 Bushaltestellentrafohaeuschen Neuhaus 1 Bushaltestellentrafohaeuschen Neuhaus 5
Das Bushaltestellen-Trafohäuschen Karrenzin in Neuhaus (Landkreis Lüneburg)
Fotos: Pit Fischer, 2011
Die Leute hier kennen ihr Wetter: warum im Regen auf den Bus warten, wenn der Trafoturm an der Bushaltestelle als trockenes Wartehäuschen genutzt werden kann? Eine wirklich praktische und originelle neue Funktion für die stillgelegte Trafostation - der neue Transformator befindet sich gleich nebenan in der Blechkiste. Zu besichtigen ist der Turm in Neuhaus an der Bushaltestelle 'Nh. Karrenzin' an der Ecke Lüneburger Straße / Am Alten Sägewerk. Die Lüneburger Straße ist die B 195 von Boizenburg nach Wittenberge.
Weitere Bilder und Infos zur Bushaltestelle Neuhaus

 
Schnapsbrennerei

Stromhaeusle Untere Alp 1 Stromhaeusle Untere Alp 7 Stromhaeusle Untere Alp 8 Stromhaeusle Untere Alp 9
Stromhäusle Untere Alp im Hotzenwald: heute eine Schnapsbrennerei
Fotos: Pit Fischer, 2011
Die ehemalige Trafostation befindet sich beim Gasthaus Engel, Zur Unteren Alp 3, an der L 169 zwischen Stühlingen und Bonndorf im Südschwarzwald. Der untere Teil des Turms dient jetzt als Lagerraum der Brennerei - ein gelungenes Beispiel dafür, wie solch ein technisch überflüssig gewordenes Türmchen einer sinnvollen neuen Verwendung zugeführt werden kann.
Weitere Bilder und Infos zur Schnapsbrennerei Untere Alp

 
Kleinstkraftwerke

Sonnenstromturm Gedelitz 9 Sonnenstromturm Gedelitz 10 Sonnenstromturm Gedelitz 16
Der Sonnenstromturm Gedelitz im Wendland
Fotos: Pit Fischer, 2011
Hier haben wir ein Beispiel, wie aus einem stillgelegten Trafohäuschen ein kleines Solarkraftwerk werden kann. Der Turm steht am Gedelitzer Ortsausgang Richtung Dünsche. Um die durch die Solarmodule verdeckte hintere Fassade des schönen Turms ist es einerseits ein wenig schade, rein ästhetisch gesehen. Andererseits bieten Stromerzeugungsverfahren wie Atomkraftwerke noch wesentlich weniger Ästhetik, dafür aber tödliche Gefahren. Der Einsatz von Photovoltaikanlagen auf ehemaligen Trafostationen ist eine faszinierende Idee und könnte vor allem bei architektonisch wenig interessanten Bauten zum Einsatz kommen. Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist allemal besser als Abbruch.
Weitere Bilder und Infos zum Solarstromturm Gedelitz

Wir haben von der Idee gehört, Kleinstwindanlagen auf stillgelegten Turmstationen zu installieren. Wenn der Turm frei steht, unbewohnt ist (wegen der Vibrationen) und die Gegend windig genug ist, wäre das durchaus vorstellbar. Der Wirkungsgrad von kleinen Windturbinen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Auch die Probleme mit dem Schattenwurf wären deutlich geringer als bei Großanlagen. Der Vogelschutz müsste natürlich bei der Anlagenwahl berücksichtigt werden, ebenso der Denkmalschutz bei der Auswahl der in Frage kommenden Gebäude.
 
Tierhotels und Artenschutztürme

Tierhotel Wilhelmsdorf 2 Artenschutzturm Ohlenbuettel Tierhotel Sentenhart Tierhotel Wilhelmsdorf 2
Trafohäuschen mit grünem Pelz: Tierhotels in Wilhelmsdorf, Ohlenbüttel und Sentenhart
Hier wohnen jetzt Fledermäuse, Schleiereulen, Turmfalken und andere Vögel, Amphibien, Hornissen, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten - Oasen für die durch dichte Besiedelung und intensive Landwirtschaft bedrohte Tierwelt. Naturschutzverbände, Vereine und engagierte Privatleute sind auf diesem Gebiet aktiv.
Weitere Bilder und Infos zum Thema Trafotürme und Naturschutz

 
Trafohäuschen als Kunstobjekt

Trafoturm Restorf im Wendland Trafostation Waltershofen bei Kisslegg Bemalte Trafostation in Hoisbuettel
Aktionskunst, Kunst am Bau, Wandmalerei
Beispiele für Baukunst sind bei vielen alten Trafotürmen zu finden, sei es in der Architektur selbst, bei der Dachform, durch kunstvolles Mauerwerk, Gestaltung der Fenster und Türen oder Ausführung von Details und Ornamenten. Die gebündelten Blitze auf der obigen Abbildung haben wir an der Fassade eines Trafohäuschens in Waltershofen bei Kißlegg im Allgäu entdeckt. Solche Türme brauchen nicht zu Kunstobjekten umfunktioniert werden, sie sind Kunstwerke ihrer Zeit, kleine kunstgeschichtliche Denkmale.
Aber auch kunstgeschichtlich uninteressante Trafostationen können zu Kunstobjekten umfunktioniert werden. Als Objekt für Installationen und Aktionskunst sind sie meist nur vorübergehend Kunstwerk. Auch Wandmalereien und Graffiti sind oft zeitlich begrenzt, können wieder überstrichen oder entfernt werden. Vorstellbar sind aber auch Trafotürme, die durch künstlerische Arbeit dauerhaft zum Kunstwerk werden. Einige sehr schöne Beispiele hierfür hat der Trafo-Kollege Pigasus in seiner Fotosammlung Trafohäuschen oben ohne ins Netz gestellt.
Weitere Bilder und Infos in unserer Rubrik Transformator und Kunst

 
Trafohäuschen als Museum oder im Museum

Strommuseum Damm 1 Strommuseum Damm 2 Station Wildes Ried in Kuernbach 1 Station Wildes Ried in Kuernbach 2
Das Strommuseum in Damm und die Turmstation Wildes Ried im Freiluftmuseum Kürnbach
Der Stromturm in Damm von 1912 wurde vom Turmverein Damm zum kleinsten Strommuseum der Welt umgestaltet (Abbildungen links). Die Turmstation Wildes Ried von 1918 (Abbildungen rechts) wurde ins Oberschwäbische Museumsdorf Kürnbach bei Bad Schussenried umgesetzt und ist damit zum Exponat im Freiluftmuseum umfunktioniert.
Weitere Bilder und Infos in unserer Rubrik Museen

 
Trafohäuschen als Denkmale

Radebeul Trafoturm Bodman Trafoturm Insel Reichenau Trafoturm Espasingen Trafostation Goetheanum Dornach Trafoturm Stockach
Denkmalgeschützte Türme Radebeul, Bodman, Reichenau, Espasingen, Dornach und Stockach
"Ein Denkmal ist ein Zeugnis der kulturellen Entwicklung der Menschheit, dem im Rahmen der Erinnerungskultur ein besonderer Wert zugesprochen wird. Der Wert kann aus künstlerischer, politischer, technischer, städtebaulicher oder landschaftsgestalterlischer Leistung resultieren. Als schützenswertes Gut kann es Denkmalschutz genießen" (zitiert aus dem Wikipedia-Artikel 'Denkmal'). Und der Duden definiert: "erhaltenes [Kunst]werk, das für eine frühere Kultur Zeugnis ablegt".
Etliche Trafostationen wurden bereits zu Denkmalen umfunktioniert und unter Denkmalschutz gestellt. Nach Meinung der Redaktion könnte die Anzahl noch wesentlich vergrößert werden.
Weitere Bilder und Infos in unserer Rubrik Denkmalschutz

 
Trafotürme als Hotelzimmer

Inspiriert durch das Schild "Hochspannung - Lebensgefahr" hat das Hotel Schloss Wissen in Weeze am Niederrhein den schlosseigenen Trafoturm zum "Hochzeitsturm" umfunktioniert. Die um die Jahrhundertwende erbaute Turmstation ging 1996 vom Netz. 2004/2005 wurde der Turm zur historisch eingerichteten Hochzeitssuite umgestaltet und in den Hotelbetrieb integriert ("Turm-Special"). Die Suite befindet sich im Anbau, im Turm selbst sind Küche, Bad und Bibliothek untergebracht. Als Garderobe dienen die ehemaligen Isolatoren.
Ein kleiner Text mit Foto befindet sich auf der Webseite von Schloss Wissen.
Quellen:
- Von Turm zu Turm, Klartext Verlag Essen 2011, S. 35-37
- Homepage Schloss Wissen

 

Umfunktionierung von Isolatoren

Isolatoren als Kleiderhaken Isolator als Satellitenschuesselhalterung Isolatoren als Gartenbeeteinfassung
Isolatoren als Kleiderhaken, Halterung für eine Satellitenschüssel und Gartenbeeteinfassung
Alte Isolatoren sind kein Müll, sondern stellen Wertgegenstände dar. Sie wurden unter Einsatz von Arbeitskraft, Energie und Rohstoffen produziert und bestehen in der Regel aus hochwertigem Material, oft z.B. aus Rosenthal-Porzellan. Im Zug der Stromleitungsmodernisierung wurden sie zunehmend durch Kunststoffisolatoren ersetzt.
Sie können nicht nur als historische Dokumente in Museen und Sammlungen Verwendung finden, sondern auch zu dekorativen, praktischen und originellen Alltagsgegenständen umfunktioniert werden, wie die Bilder beispielhaft zeigen.
Siehe ausführlich in unserer Rubrik Entspannt: Praktische Verwendung von Isolatoren im Alltag


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Stand: 11. Dezember 2011
Carpe diem

Atomkraft nein danke