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Natur und Kultur wie vor hundert Jahren - Freilichtmuseum Lindlar
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Das Trafohäuschen Herweg von 1913
im Freilichtmuseum Lindlar

Trafoturm Herweg 2 Trafoturm Herweg 3 Trafoturm Herweg 4 Trafoturm Herweg 8 Trafoturm Herweg 1 Trafoturm Herweg 5 Trafoturm Herweg 1a
Die Trafostation Hückeswagen-Herweg im Freilichtmuseum Lindlar
Ein stillgelegtes Trafohäuschen von 1913 wird ins Museum verlegt
Fotos: Michael Kamp/Freilichtmuseum Lindlar, Okt./Nov. 2013 und Mai 2014

Trafoturm Herweg 6 Trafoturm Herweg 9 Trafoturm Herweg 10 Trafoturm Herweg 7
Das Trafohäuschen an seinem ursprünglichen Standort
in Hückeswagen-Herweg
Links eine Aufnahme von 1930, Mitte: vor der Verlegung Mai 2013, ganz rechts der Bauplan von 1913
Fotos von links nach rechts, mit freundlicher Genehmigung von:
Bildarchiv LVR-Freilichtmuseum Lindlar (1), Jens Schmitz/www.naturlinse.de (2+3), Stadt Hückeswagen (Bauplan)

Die im Jahr 1913 errichtete Transformatorenstation in Herweg bei Hückeswagen war seit 2010 außer Betrieb und sollte abgebrochen werden. Der Initiative des LVR-Freilichtmuseums Lindlar ist es zu verdanken, dass es nicht zum Abriss kam. Im Zusammenhang mit dem Themenjahr "1914 - Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg" beteiligte sich das LVR-Freilichtmuseum nicht nur mit der Ausstellung "Krieg und Licht - zur Dynamik der ländlichen Elektrifizierung um 1914" an dem Projekt, sondern versetzte auch die nicht mehr genutzte historische Turmstation in das Museumsgelände. Im Oktober/November 2013 wurde das alte Türmchen zersägt und im Museum wieder aufgebaut. Es steht nun in der Baugruppe Oberlingenbach, die die Besucherinnen und Besucher in die Zeit um 1900 führt.
Das Trafohäuschen Herweg gehört zu den ältesten und schönsten Trafostationen auf unseren Webseiten und ist auch Bildband von Illo-Frank Primus, Geschichte und Gesichter der Trafostationen auf Seite 438 mit einem ganzseitigen Foto (am ursprünglichen Standort in Herweg) vertreten.

Trafoturm Herweg Bauschein Trafoturm Herweg Baubeschreibung Trafoturm Herweg Kosten-Anschlag 1 Der Trafoturm hat ein hübsches Mansardendach mit Schiefereindeckung. Dem Bauschein No. 45 vom 29. März 1913 (Gebühr 9 Mark) und der Baubeschreibung des Baugeschäfts Wilh. Breidenbach Söhne vom 22. März 1913 (siehe Abbildungen links) entnehmen wir, dass den Bergischen Licht und Kraftwerken AG in Lennep die Erlaubnis erteilt wird, auf dem an der Prov.Str. Hückeswagen-Radevormwald auf Flur 11 Parzelle 611/89 der damaligen Gemeinde Neuhückeswagen "eine massiv in Ziegelsteinen mit verl. Zementmörtel gemauerte Transformatorstation zu errichten. Die eingebaute Zwischendecke wird als Betondecke errichtet. Das Mauerwerk wird im Ausseren mit Zementrauhputz und glatten Fenstereinfassungen und im Innern mit Zementmörtel glatt verputzt. Das Fachwerk im Dach wird mit Schwemmsteinen ausgemauert und berappt." Laut "Kosten-Anschlag für Bergische Licht und Kraftwerke A.G. Lennep von Wilh. Breidenbach Söhne, Baugeschäft" (links abgebildet die Seite 1 von 7) kostete im Jahr 1913 die reine Baumaßnahme des Trafoturms Herweg 2.380,- Mark.
(Abbildungen: Bildarchiv LVR-Freilichtmuseum Lindlar)

Trafoturm Herweg im Jahr 1930 Ausruestung des Trafoturms Herweg im Jahr 1930 Trafoturm Herweg 10 Auf dem alten Schwarzweißfoto aus dem Jahr 1930 ist noch die elektrische Originalausrüstung an der Turmwand zu sehen. Man sieht an der Türseite eine ankommende Mittelspannungsdoppelleitung, welche der Errichtungszeit entsprechend auf einem Abspannportal (Stahlträger) endete. Unmittelbar darunter endete in der Mitte an der Turmwand das damals noch in Mittelspannungsnetzen oftmals mitgeführte Erdungsseil. Hier waren es sogar zwei. Das andere endete am linken Rand des Portalträgers.
Das Farbfoto von 2013 (bereits nach der Stilllegung der Station) belegt, dass später zwar der alte Stahlträger noch belassen, die passsenden Stützen dafür jedoch entfernt wurden. Ebenso hat man von Doppelfreileitung auf Einfachfreileitung (drei statt sechs Leiterseile) rückgebaut. Es wurden zudem die ursprünglich weißen Durchführungen durch braune Standardexemplare ersetzt und als Neuerung der 1960er Jahre für jedes Mittelspannungs-Leiterseil ein Ableiterelement gesetzt (siehe unser Kapitel Überspannungsableiter).


Trafoturm Herweg im Museum
Dieses Foto zeigt die Elektrik in der heutigen Situation am Museumsstandort. Die Niederspannungsabgänge wurden früher mit Rohrauslegern und Reichspostmodell RM 2 Isolatoren realisiert. So etwas ist heute nur noch mit großem Aufwand nachzubauen. Das Museum hat deshalb einen Leitungsabgang in Schäkelabspannung realisiert - ein guter Kompromiss.

Translozierung in das LVR-Freilichtmuseum Lindlar
Trafoturm Herweg 4 Trafoturm Herweg 2 Das im Bergischen Heimatstil errichtete und einhundert Jahre alte Gebäude ist an seinem alten Standort in Hückeswagen-Herweg abgebaut und nach Lindlar transportiert worden. Die als Ziegelbau errichtete Turmstation wurde hierfür in drei Teile zerlegt, von denen das schwerste 16 Tonnen wiegt. Die anderen beiden Teile bringen jeweils 14 und fünf Tonnen auf die Waage. Die Teile wurden entsprechend gesichert und auf einem Tieflader in das Museum transportiert. Dieses als "Ganzteiletranslozierung" praktizierte Versetzungsverfahren wurde bereits in einigen deutschen Freilichtmuseen praktiziert, z.B. bei der Umsetzung der Turmstation Wildes Ried ins Oberschwäbische Museumsdorf Kürnbach.
In unmittelbarer Nachbarschaft der Museumsgaststätte wurde die Trafostation wieder aufgebaut. Das Dach konnte in einem Stück abgehoben und anschließend im Lindlarer Freilichtmuseum wieder auf den Turm aufgesetzt werden. Die Arbeiten wurden im Spätherbst 2013 durchgeführt, die Eröffnung der Turmstation im Museum fand im Frühjahr 2014 statt.


Elektrifizierung im Bergischen Land
Viele Jahrzehnte lang verteilte der Trafoturm aus Herweg den Starkstrom aus der Überlandleitung für die Haushalte in seiner näheren Umgebung um und versorgte diese mit Licht- und Kraftstrom. Er steht am Anfang der Elektrifizierung der bergischen Landgemeinden zwischen Wuppertal und Waldbröl. Erst wenige Jahre zuvor war in Remscheid-Lennep ein Elektrizitätswerk entstanden, das das Umland mit Strom versorgte, nachdem sich in Städten wie Barmen, Elberfeld oder Gummersbach entsprechende Einrichtungen schon in den 1890er Jahren etabliert hatten.

Sorge um das Landschaftsbild
Auf Intervention einer einflussreichen, kulturkonservativen Lobby aus Architekten, Denkmalpflegern, Künstlern und Museumsleuten hatte die Preußische Verwaltung bereits im Jahr 1907 ein Gesetz verabschiedet, das die Landschaft vor den Einflüssen der Moderne schützen sollte. Besonderes Augenmerk legten die "Heimatschützer" im Umfeld des 1904 gegründeten "Bundes Heimatschutz" und seiner regionalen Vertretungen auf die Bewahrung der landschaftlichen Eigenheiten, die sie vor allem durch die Außenwerbung und moderne Neubauten gefährdet sahen. Kurz darauf entstanden nicht nur in der Rheinprovinz sogenannte Bauberatungsstellen, die Bauanträge prüften und ästhetische Optimierungsvorschläge einbrachten. Die noch junge Elektrizitätswirtschaft setzte diese an der regionalen Baukultur orientierten gestalterischen Regularien konsequent bei dem Bau neuer Turmtrafostationen um. Insofern entspricht die 1913 errichtete elektrische Stromverteilungsanlage in Hückeswagen-Herweg diesem Gestaltungswillen, der auf die bevorzugte Verwendung regionaler Baustoffe basierte.

Textquellen: Webseite des Freilichtmuseums Lindlar zum Trafohäuschen und ergänzende Informationen des Museums

Weitere Trafostationen in Museen und als Museum haben wir auf unserer Themenseite Museen und Gedenkstätten dokumentiert.


Trafoturm-Symposium 2015 im Freilichtmuseum Lindlar 1 Trafoturm-Symposium 2015 im Freilichtmuseum Lindlar 2
Das Trafoturm-Symposium am 25. April 2015 im Freilichtmuseum Lindlar
Fotos: Michael Kamp
Das Freilichtmuseum Lindlar war am 25. April 2015 Austragungsort für ein eintägiges Symposium, das sich unter dem Titel "Turmstationen - Landmarken in der Kulturlandschaft" den vielfältigen Aspekten dieser Gebäude der Elektrizitätsgeschichte widmete. Ziel der Veranstaltung war, auch im Bergischen Land künftig das Interesse für einen kreativen Umgang mit ehemaligen Trafostationen zu wecken.

Das Bergische Freilichtmuseum Lindlar
Das LVR-Freilichtmuseum Lindlar bietet das ganze Jahr über spannende Einblicke in die Vergangenheit. Im Mittelpunkt steht die bergische Landschaft, wie sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert ausgesehen hat. Auf 25 Hektar wird das Gelände nach historischem Vorbild bewirtschaftet. Die Themenschwerpunkte des Museums sind Ökologie, Bäuerliche Arbeit, Handwerk und natürlich begreifen. Das Freilichtmuseum liegt vor den Toren Lindlars im Herzen des Bergischen Landes, etwa 30 Kilometer östlich von Köln an der A4. Zu den Partnern und Sponsoren gehört u.a. auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR).
Ausführliche Informationen, Programm, Öffnungszeiten und Eintrittspreise auf der
Webseite des Freilichtmuseums Lindlar


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Stand: 1. Mai 2015
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