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Die Kunst ist ewig, ihre Formen wandeln sich. (Rudolf Steiner)
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Das Transformatorenhaus Dornach

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Das Transformatorenhaus in Dornach von 1921
Photos: Pit Fischer, Januar 2012

Das expressionistische Transformatorenhaus beim Goetheanum Dornach wurde nach einem Entwurf Rudolf Steiners 1921 für die öffentliche Elektrizitätsversorgung erstellt - eine der interessantesten Turmstationen der Schweiz und Mitteleuropas. Der Turm steht direkt unterhalb des Goetheanums am Oberen Zielweg 21, Ecke Goetheanumstrasse. Nebenan befindet sich das Kaffee- und Speisehaus, wo sich Architekturbegeisterte, Elektrifikationsforscher und Freunde und Freundinnen der Anthroposophie gleichermassen bei einer Tasse Demeter-Kaffee und einem guten Stück biodynamischen Kuchen erquicken können.

Yvonne Scheiwiller schreibt in ihrem Buch "Trafoturm - Turmtrafo" über Rudolf Steiners Trafohäuschen:
"Neben dem Goetheanum und den im gleichen expressionistischen Stil erbauten Häusern der Rudolf-Steiner-Anhänger in der Umgebung gibt es auch zwei Technikgebäude in diesem spektakulären Stil: einen Trafoturm und ein Heizhaus. Rudolf Steiner fürchtete, dass ihm eine 'heimtümlich verkleidete Hütte' oder ein 'Schweizer Häuschen' als Trafo in die Anthroposphenkolonie gestellt würde, und griff selbst in die Planung ein. Dieser Trafoturm ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden.
Über die Bedeutung der Formen und Farben dieses ungewöhnlichen Trafoturms ist viel geschrieben worden: Er sei expressionistisch, er sei von der anthroposophischen Farbenlehre beeinflusst (...)
Vielleicht braucht die Antwort gar nicht so weit gesucht zu werden: Der Trafoturm sollte einfach anders aussehen als jene des Heimatstils. Blau kommt bei Trafos kaum vor und erinnert doch an den Himmel, in den hinauf ein Türmchen immer ragt. Die 'Häuschen' am Trafo könnten auch Vogelhäuschen imitieren. Vielleicht ist der expressionistisch daherkommende Trafoturm 'natürlicher' als mancher Heimatstiltrafo.
Quelle:
Yvonne Scheiwiller: Trafoturm - Turmtrafo. Schweizer Turmtransformatoren, Drahthüsli, Trafostationen - Hommage an eine Architekturform, die nicht mehr gebaut wird. Schwyz, Triner Verlag 2013, S. 111/112


Unser Kollege von swisstrafos.ch schreibt in seiner Dokumentation: "Im solothurnischen Dornach beim bekannten Goetheanum (das grösste Gebäude im Kanton Solothurn) liegt dieser spezielle Transformatorenturm. Er ist ein Unikat und stammt aus dem Jahr 1921. Er wurde durch Paul Bay nach den Plänen Rudolf Steiners erstellt. Es sind zwei übereinanderliegende Kuben. Der obere Kubus besitzt in jeder Himmelsrichtung ein kleines "Häuschen", an welchem die Isolatoren angebracht sind. Im unteren Würfel ist die Zugangstüre. Auf zwei Gebäudeseiten besitzt der aus Beton erstellte und himmelblau gestrichene Turm ein rechteckiges, querliegendes Fenster. Der Trafoturm ist noch in Originalzustand erhalten und steht unter kantonalem Denkmalschutz."

Und Michael Neumann schreibt in seinem Klassiker "Zwischen Kraftwerk und Steckdose": "Noch weniger wurde in der Zeit zwischen den Weltkriegen der Versuch unternommen, den Vorgang Stromzufuhr, Umwandlung und Verteilung gestalterisch zum Ausdruck zu bringen, es sei denn, ein Mann wie Rudolf Steiner - der Begründer der anthroposophischen Bewegung - vermochte diesen Vorgang intellektuell umzusetzen und zu einem Ereignis zu machen. Als 1921 auf dem Gelände seines zweiten Goetheanums in Dornach die Elektrizitätsverwaltung eine mit einem netten Schweizer Häuschen kaschierte Station erbauen wollte (...), entwickelte Steiner: '...eine strenge Komposition aus größeren und kleineren überdachten Prismen, die in- und aufeinandergesteckt schienen und in schockartigem Richtungswechsel der Orthogonalen, die Aufnahme, Umformung und Abgabe elektrischer Kräfte ausdrücken sollte.' (Pehnt, Architektur des Expressionismus, Stuttgart 1981)."
Quelle:
Neumann, Michael: Zwischen Kraftwerk und Steckdose, Zur Architektur der Trafohäuser; Marburg 1987, S. 51f., siehe unsere Literaturliste


Die in der unteren Bildreihe abgebildeten originalen Isolatoren entsprechen dem sog. Reichspostmodell in Größe 1. In der Schweiz werden sie heute noch gefertigt, überwiegend in Braun und Gelb.
Vom ursprünglichen Stromnetz ist noch eine Freileitung und eine über der Kreuzung hängende Strassenlaterne vorhanden. Die restlichen Leitungen sind - wie heute fast überall - unterirdisch verlegt worden.

Das vorbildlich instandgehaltene Trafohaus hat in den letzten Jahren wohl einen neuen Anstrich erhalten. Jedenfalls erstaunt es den Besucher durch ein unglaubliches Himmelblau, noch verstärkt durch die tiefstehende Januarsonne zum Zeitpunkt der Aufnahmen: eine himmlische Sinfonie in Blau. Im Gegensatz dazu wirkt die Form des Turms auf den Fotografen fast wie eine militärische Befestigungsanlage. Auch das ebenfalls aus Beton bestehende fensterarme Goetheanum hat etwas Festungsartiges. Die erste Version des Gebäudes bestand aus Holz und wurde durch Brandstiftung 1923 zerstört. Die Zerstörung könnte den Wunsch nach einem nicht brennbaren, dauerhaften und sicheren Bau begründet haben - aber dies sind nur spontane Assoziationen des Fotografen ohne architekturgeschichtlichen Hintergrund. Das nebenan stehende Kaffee- und Speisehaus wirkt dagegen sowohl aussen als auch innen ausgesprochen hell und freundlich. Essen und Trinken hält eben Leib und Seele zusammen.
Die in der unteren Bildreihe zu sehende Trapezform des neben der Tür angebrachten Schilds mit der Stationsbezeichnung ist nicht durch perspektivische Verzerrung des Fotos entstanden. Die anthroposophische Architektur und Stilistik verzichtet nach Möglichkeit auf rechte Winkel, wie das z.B. auch in der Schrift deutlich wird.
Das Trafohäuschen am Goetheanum gehört zu den schönsten und ältesten Stationen unserer Fotosammlung und ist ein herausragendes Beispiel für die Baukunst des frühen 20. Jahrhunderts.

Gibt es ein Fachgebiet, mit dem sich Rudolf Steiner (1861-1925, Begründer der Anthroposophie) nicht befasst hat? Auf Anhieb fällt uns keines ein. Daher wundert es nicht, dass in seinem Werk auch der Entwurf einer Trafostation nicht fehlt. Einigermassen respektlos geht der Lyriker Don Jorge in seinen humoristischen Gedichten Rudolf Steiner und die innere Schleife mit dieser Vielseitigkeit des Meisters um ;-)

Dornach liegt ca. 10 km südöstlich von Basel und ist von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen (Tram Linie 10 bis Dornach, von dort zu Fuß oder mit dem Bus zum Goetheanum).


Weiterführende Informationen:
swisstrafos.ch: Transformatorenturmstation Dornach SO
Offizielle Webseite des Goetheanums
Wikipedia-Artikel Goetheanum
Don Jorge: Rudolf Steiner und die innere Schleife

Portrait Rudolf Steiner
Portrait Rudolf Steiners
Aquarell von Richard Molke, 2002
Das ursprünglich in rosa gehaltene Bild wurde von unserem malenden Chefredakteur 2012 eigenhändig gebläut hinsichtlich des architektonischen Bezugs zur Transformatorenstation. Molke will hierdurch nach eigenen Angaben seine karmische Verstrickung mit der Aura in Zusammenhang bringen. Das Einbläuen erfolgte aufgrund der Richtlinien von Goethes Farbenlehre.

© Copyright für die Bilder
bei den Fotografen und Fotografinnen

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Stand: 8. März 2014
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