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Den höchsten Anlauf nahm die Menschennatur, als sie einen gotischen Dom in Vollendung dachte. (Theodor Fontane)
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Trafostationen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf
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Lichterfelde

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Das Schalthaus Berlin Hindenburgdamm von 1901
Fotos: Manfred Kühl, 12. März 2014

Dieses kleine Meisterwerk des neogotischen Backsteinstils der Jahrhundertwende steht auf dem Dorfanger Lichterfelde, gegenüber Hindenburgdamm 101. Der Architekt war Fritz Gottlob, ausgeführt wurde der Bau von Maurermeister Pinx. Im Schalthaus der damaligen Berliner Vororts-Elekricitäts-Werke (BVEW) wurde der vom Kraftwerk bezogene Strom herunter geregelt und weiterverteilt. (siehe hierzu unsere Kapitel Schaltwerk und Umspannwerk). Über der Eingangstür ist noch der alte Schriftzug B.V.E.W. erhalten. 1927 wurde zusätzlich im Erdgeschoss eine Trafostation eingebaut, die die Mittelspannung auf gebrauchsfähigen Haushaltsstrom (heute 400 Volt) transformiert.

Das Schalthaus Hindenburgdamm steht unter Denkmalschutz und ist mit der Nummer 09065854 in der Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Lichterfelde wie folgt verzeichnet:
"Hindenburgdamm, Dorfanger, Schalthaus, 1901 von Fritz Gottlob".
Geschützt ist das ganze Ensemble am Hindenburgdamm mit Dorfanger, Dorfkirche, Pauluskirche und Wohnhäusern.

Im 14. Jahrhundert wurde mit der Dorfkirche das religiöse Zentrum Lichterfeldes begründet. Von 1898-1900 entstand in der wachsenden damaligen Landgemeinde Groß-Lichterfelde ein neues Gotteshaus auf dem Dorfanger in unmittelbarer Nachbarschaft zur Dorfkirche: Die Pauluskirche entwarf Fritz Gottlob in der für die Jahrhundertwende typischen Tradition der norddeutschen Backsteingotik. Ein Jahr später wurde das Schalthaus nach Plänen des gleichen Architekten im gleichen Stil gebaut.
Kraftwerke wurden damals als Kathedralen der Industrialisierung gefeiert, in Groß-Lichterfelde begnügte man sich mit dem neogotischen Erscheinungsbild einer Kapelle, eines "Kathedrälchens". Im Zeitgeist des frühen Industriezeitalters sollte die technische Zweckbestimmung des Gebäudes nicht nach außen sichtbar sein. Das Schalthaus könnte rein optisch auch zur Pauluskirche und zum Gemeindezentrum gehören. Für einen reinen Zweckbau ist das Gebäude architektonisch und in der Bauausführung sehr aufwendig gestaltet und mit vielen Details und Ausschmückungen versehen, die wir teilweise oben abgebildet haben.
Lediglich das viersprachige Warnschild "Hochspannung Lebensgefahr" an der Tür ist in seiner ungotischen Schlichtheit eindeutig neueren Ursprungs.
Das Schalthaus Hindenburgdamm gehört zu den schönsten und ältesten Stationen unserer Fotosammlung und ist ein herausragendes Beispiel für die Baukunst des frühen 20. Jahrhunderts.

Im Februar 2011 war das Gebäude Denkmal des Monats im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
Wir zitieren aus dem lesenswerten und spannenden Text von Sabine Schmiedeke Denkmal des Monats Februar 2011 - Schalthaus Hindenburgdamm:
"(...) Die Stromversorger errichteten neben dem religiösen Zentrum Lichterfeldes ihr kleines "Dömchen" auf dem nördlichen Dorfanger, eine Umspannstation im sakralen Architekturgewand. (...) Ganz dem Zeitgeist des frühen Industriezeitalters entsprechend tritt die technische Zweckbestimmung des Gebäudes nach außen nicht in Erscheinung. (...) Der Eindruck einer Zugehörigkeit zur Pauluskirche wird durch den neogotischen Baustil, die Verwendung der gleichen Baumaterialien und nicht zuletzt durch die Handschrift desselben Architekten noch verstärkt. Interessanterweise wurde auch beim Bau des Gemeindezentrums der Pauluskirche 1929-1930 Bezug auf das gegenüber liegende Schalthaus genommen. Es bildet den Abschluss der vom Hauptbau zwischen den Torbauten verlaufenden Sichtachse. Trotz seiner so konträren Funktion ist das Schalthaus so ein wichtiges Verbindungsglied von Kirche und dem außerhalb der Dorfaue liegenden Gemeindezentrum geworden.
Der Architekt Fritz Gottlob war einer der wichtigsten Vertreter der wiederauflebenden Backsteingotik gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin. In diesem Stil wurden um die Jahrhundertwende nahezu alle öffentlichen Gebäude errichtet. Zunächst als Mitarbeiter von Franz Schwechten, später als selbstständiger Architekt widmete sich Gottlob überwiegend dem Kirchenbau, wobei die Pauluskirche zu seinem Hauptwerk zählt. Parallel zu den Arbeiten für die Pauluskirche hatte Gottlob erstmals 1898 für eine stromerzeugende Firma gearbeitet. Er entwarf das Siemens-Kabelwerk am Nonnendamm. Größere Bekanntheit erreichte Gottlob nicht nur durch seine Bauten, sondern auch durch das 1900 erschienene Standardwerk "Formenlehre der Norddeutschen Backsteingotik", ein Muster- und Vorlagenbuch für Architekten.
Für einen reinen Nutzbau ist das Gebäude architektonisch sehr anspruchsvoll gestaltet. Über einem quadratischen Grundriss erhebt sich ein dreigeschossiges Gebäude mit einem hohen Zeltdach, das von vier Türmen gerahmt wird. Die Türme, die im Erdgeschoss noch durch Strebepfeiler verstärkt sind, verleihen dem Gebäude etwas Wehrhaftes. Die rote Backsteinfassade mit Feldsteinsockel weist eine starke Anlehnung an die norddeutsche Backsteingotik auf. Auffallend sind die vielen Blindfenster, die erahnen lassen, dass es sich hier nicht wirklich um einen Kirchenbau handeln kann. Zur Erbauungszeit gab es noch drei bleiverglaste Fensteröffnungen. Eine wurde vollständig geschlossen, die beiden anderen sind von innen vermauert und mit stark beschädigter Verglasung heute noch zu erkennen.
(...) Das Schalthaus am Hindenburgdamm ist in seiner ursprünglichen Funktion erhalten geblieben. Obwohl es bei Vattenfall schon Anfragen gab, wird das Gebäude nicht zum Verkauf angeboten."
Quellen:
Stadtportal Berlin Online: Denkmal des Monats Februar 2011
Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin


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Stand: 27. Dezember 2014
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