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Viel Bächlein machen auch (einen) Strom.
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Trafotürme in Orsingen-Nenzingen
Zur Gemeinde Orsingen-Nenzingen gehören die Ortsteile Orsingen, Nenzingen und Zollbruck:
 
Umspannstation Orsingen Kreuz 1 Umspannstation Orsingen Kreuz 10 Umspannstation Orsingen Kreuz 11 Umspannstation Orsingen Kreuz 8 Umspannstation Orsingen Kreuz 6 Umspannstation Orsingen Kreuz 4 Umspannstation Orsingen Kreuz 9
Umspannstation Orsingen Kreuz
Fotos: Pit Fischer, 2011
Der Turm steht an der Ecke Wahlwieser Straße/Oberhofer Weg. Laut Auskunft eines Anwohners stammt er vom Anfang des 20. Jahrhunderts; von dieser Station sei die Elektrifizierung des Hegaudorfs Orsingen ausgegangen. Die Bilder wurden an einem nebligen Novembernachmittag gemacht.
An dieser Station erkennt man mehrfache Nachrüstungen (siehe Abbildung rechts): Im Erbauungszustand war sicher ein anderer Putz am Haus, ggf. auch Sichtmauerwerk (kann man heute nicht mehr klären). Damals waren entweder Stahlträger wie in Kürnbach dran (erste Epoche) oder bereits Isolatoren auf eingemauerten Hakenstützen (zweite Epoche). Die auf der Abbildung in die Wand hineinführenden "Ösen" waren früher aus Porzellan. Man erkennt deren Auswechselungsspuren in der Putzstruktur (glatt). Diese Teile sind auch als Kabelauslasstüllen bekannt. Später waren sie mehrteilig aus Kunststoff, man konnte sie aufklipsen, wenn der Leitungsdraht durchgezogen war. Sie dienten neben der isolierten Durchführung dieses Drahtes auch dem Schutz vor Regenwasser von oben. Später (passend bei einer Überarbeitung der Fassade) wurden die Isolatoren mit ihren Hakenstützen entfernt und diese Ösen in der Wand verankert (Durchschraubung, Konterung mittels Mutter im Innern des Turms). Daran hat man dann Isoliereier als Abspannmöglichkeit für die Leitungsseile gehängt (siehe z.B. bei der Turmstation Gosheim). Die unteren Ösen kamen später dazu und dienten der Anbindung von Straßenbeleuchtungsleitungen. Heute reicht ein Haken für die Befestigung der schwarzen isolierten, mehradrigen Leitung. Im Jargon hat sich getreu des Ursprungslandes dieser Leitungsart Schwedenkabel eingebürgert. Dafür braucht es keine Isolatoren mehr, es ist alles bereits mit Kunststoff ummantelt und verdrillt. Dies sorgt für eine Reduzierung elektrischer bzw. magnetischer Felder unter diesen Leitungen (baubiologischer Vorteil) sowie für eine einfachere Montage (ein Kabel hängt schneller als fünf einzelne Drähte). Die farbigen Punkte markieren drei verschiedene Stromkreise. Alternativ wären hier Zifferntäfelchen möglich.
Von diesem für die Gegend typischen Bautyp stehen noch mehrere Exemplare im Landkreis Konstanz, z.B. in Beuren an der Aach, Hausen an der Aach und Espasingen.

 

Trafostation Zwirnerei Zollbruck 39 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 25 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 29 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 35 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 40 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 51 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 37
Trafostation Zwirnerei Zollbruck 21 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 33 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 32 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 36 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 53 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 17
Trafostation Zwirnerei Zollbruck 01 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 02 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 03 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 12 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 04 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 11
Trafostation Zwirnerei Zollbruck 06 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 41 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 45 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 30 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 48 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 47 Trafostation Zwirnerei Zollbruck 31
Die Trafostation der alten Zwirnerei Zollbruck
Fotos: Pit Fischer, November 2011
Diese interessante Turmstation mit der außergewöhnlichen Holzfassade gehörte einst zur Zwirnerei Nenzingen-Zollbruck (Zweigstelle der Dresdener Nähmaschinenzwirn-Fabrik). Die Maschinen der Fabrik wurden ursprüglich mechanisch durch die Wasserkraft der Stockacher Aach angetrieben. Später wurde ein Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung in das Gebäude integriert, die ursprüngliche Turbine wurde 1904 gebaut. Nach der Schließung der Zwirnerei übernahm die ca. 800 Meter entfernte Alu Stockach (heutiger Firmenname: ScholzAlu Stockach GmbH) das Kraftwerk und nutzte den Strom für ihre Aluminium-Schmelzöfen in der Nenzinger Straße. Die Lage des Turms direkt am Stauwehr erklärt auch die ungewöhnliche Bauweise "auf Stelzen".
2002 kaufte der jetzige Besitzer das Wasserkraftwerk von der Alu Stockach und nahm es in Betrieb. Es produziert heute mit einer modernen Turbine ca. 200.000 KW im Jahr. Der erzeugte Strom wird ohne Transformator direkt ins Netz eingespeist. Dem neuen Besitzer verdanken wir die Erhaltung des schönen Türmchens, das manche Geschichte erzählen könnte. Er setzte den heruntergekommenen Bau wieder instand und erneuerte das Dach. Auch die Tierwelt profitiert von seiner Initiative: Nistkästen für unsere kleinen gefiederten Freunde wurden aufgehängt, ein Einflugloch für Eulen und Fledermäuse ist geplant - ein weiteres lobenswertes Beispiel dafür, wie ein stillgelegtes Stromhäuschen ein neues Leben als Tierhotel beginnen kann. Es wäre ja zu schön, wenn eines Tages auf dem Türschild "Hier wohnt Frau Schleiereule" stehen würde.
Auf den Detailabbildungen der untersten Bildreihe sind die stillgelegten Anschlüsse zu sehen. Es handelt sich wahrscheinlich noch um die ursprünglichen Armaturen aus der Bauzeit. Dieser Turm hat keine Niederspannungsanschlüsse, da er keine Anwesen und Privathaushalte versorgen musste. Er diente nur der Einspeisung der erzeugten Energie (nach der Aufwärtstransformation) in das Mittelspannungsnetz zur nahegelegenen Aluminiumfabrik. Die Leitungsaufhängung erfolgte mittels sog. keramischer Vollkernisolatoren VK 60 (patentiert 1919). Siehe hierzu auch unsere Themenseite Isolatoren.
Die übrigen Trafotürme in dieser Sammlung haben die normale Position in der Stromverteilungskette:
Kraftwerk -> Hochspannung -> Umspannwerk -> Mittelspannung -> Trafostation -> Niederspannung -> Endverbraucher.
Hier haben wir es mit dem Sonderfall zu tun, daß von der zum Kleinkraftwerk gehörenden Trafostation der Strom via Mittelspannung direkt zum Verbraucher (Alu-Fabrik) geleitet wurde.
Die Holzbauweise ist bei Trafohäuschen selten anzutreffen. Zwei weitere konnten wir bisher in Eisenberg im Ostallgäu und in Oy-Mittelberg im Oberallgäu entdecken.
Der zu Nenzingen gehörende Zinken Zollbruck liegt an der B31 zwischen Eigeltingen und Stockach: von Nenzingen kommend kurz vor Stockach am pittoresk gestalteten Kreisel Zollbruck rechts abbiegen.
Das Betreten des Betriebsgelände ist verboten (siehe Abb. ganz unten rechts).
Herzlichen Dank an den Besitzer für die Auskünfte und die Erlaubnis der Aufnahmen!


© Copyright für die Bilder
bei den Fotografen und Fotografinnen

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Stand: 29. Januar 2012
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