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Trafohäusle in und um Pliezhausen

Zu Pliezhausen gehören auch die Ortsteile Dörnach, Gniebel und Rübgarten.
 
Trafostation Doernach 1 Trafostation Doernach 2 Trafostation Doernach 3 Trafostation Doernach 4 Trafostation Doernach 5 Trafostation Doernach 7 Trafostation Doernach 6
Zeichnung elektrische Anlage Doernach Trafostation Doernach 8 Trafostation Doernach 9 Trafostation Doernach 11 Trafostation Doernach 12 Trafostation Doernach 14 Trafostation Doernach 10
Trafostation Doernach 17 Trafostation Doernach 18 Trafostation Doernach 15 Trafostation Doernach 16
Die Trafostation 757N390 Burgstr. in Dörnach
Fotos: Matthias Thalmeier, 2007, Zeichnung 2012, Innenaufnahmen 2014

Dieser Trafoturm steht etwas außerhalb von Dörnach in der Provinz mitten auf der Wiese und ist auch heute noch in Betrieb. Der ehemalige Energieversorger in dieser Region waren die Neckarwerke (NW), das Logo ist auf dem dritten Foto von rechts auf der Tür zu sehen. Die Neckarwerke gehören seit 2003 zur EnBW. Nur das Schild hat man noch nicht ausgewechselt. Die Tür wurde vor einiger Zeit erneuert, auch wurde eine nachträgliche Abzweigung in ein Erdkabel vorgenommen. Das wurde so sorgfältig gemacht, dass dieser Turm wohl noch auf längere Sicht in Betrieb bleiben wird. Sonst hätten auch ein paar Schellen an der Hauswand gereicht, schnell dran und auch schnell wieder weg.

Das dritte Bild von links in der oberen Bildreihe zeigt ein technisch interessantes Detail: Unterhalb der eigentlichen Isolatoren sind Überspannungsableiter zu sehen. Wenn durch einen Blitzschlag (auch indirekt in der Nähe einer Leitung) eine Überspannung in der Leitung auftritt, entstehen sog. Wanderwellen. Diese enden dann an der Station. Damit sie die Isolation der Trafowicklung nicht beschädigen, gibt es solche Bauteile. Steigt die Spannung in der Leitung an, werden sie leitend und führen die Überspannung dann nach Erde ab. Es handelt sich hier um ein 10KV Netz, die Station ist mit der Umspannstation Walddorf verbunden. Moderne Elemente sind heute auch für 20KV bedeutend kleiner, leichter und aus Kunststoff statt Porzellan. Als Bauteilnamen haben sich SAW-Ableiter und Kathodenfallableiter eingebürgert.


Einblicke in die elektrische Anlage der Turmstation

Die Erforschung des Turminneren begann mit einer Zeichnung des Fotografen (mittlere Bildreihe links), die auf einem Blick von außen durch die Lüftungsschlitze beruht:
Über den Kühlritzen befindet sich innen nochmals ein engmaschiges Gitter, um auszuschließen, dass Gegenstände hindurchgeschoben werden, damit niemand einen tödlichen Schlag erleidet. Auf dieser Seite befindet sich auch der ölgekühlte Trafo. Man sieht noch zwei blaue Schaltschränke, mit Einbau-Schleppzeiger-Messinstrumenten (Amperemeter), sogenannten Dreheisen-Messwerken. Die Schaltschränke haben auch kleine Glasfenster. In der Mitte befindet sich ein abgerundetes Holzgestell, etwas tischähnliches. Wahrscheinlich ist die Station ebenerdig (Lichtschächte fehlen) und nicht unterkellert. Von der Betonwanne, in der Trafos wegen dem Gewässerschutz stehen sollen, ist von außen nichts zu sehen. Eine Leiter führt in das Obergeschoss.

Im Januar 2014 hatte der Fotograf die Gelegenheit die Station zu besichtigen und konnte einige Fotos der elektrischen Anlage machen (mittlere und untere Bildreihe). Er berichtet uns:
Der Turm wurde zu verschiedenen Zeiten saniert und erweitert (z.B. eine Fernüberwachung ergänzt). Die isolierte Niederführung der Mittelspannung zum Trafoschalter ersetzt die früher üblichen blanken Kupferrohre bzw. Profile. Die in blauer Optik gefertigte Mittelspannungs-Schaltanlage ist aber sicherlich aus den späten 1970er oder ganz frühen 80er Jahren. Später hat man dann SF6-isolierte (gasisolierte) Schaltanlagen verbaut, welche nur noch einen Bruchteil des Platzbedarfs haben. Auf dem Bild ganz rechts in der mittleren Reihe sieht man die neu eingeführte Mittelspannungs-Leitung, welche auf dem Bild ganz rechts in der oberen Reihe von der Außenseite zu sehen ist. Die Vergitterung der Elektrik (wie in Walddorf) wurde durch eine Vollverkapselung in Schaltschrank-Look ersetzt, vielleicht wegen zusätzlicher Sicherheit. Über dem Merkblatt "Erste Hilfe bei Stromunfällen" (Mai 1976) sind drei unscheinbare Einbaupanele zu sehen. Das ist neben den Kathodenfallableitern außen ein Trafoschutz mit einer Monitorisierungsmöglichkeit (was im Übrigen auch fernüberwacht wird). Der Aufdruck ist einschließlich der Support-Webseite www.kries.com IKI-30. Da in den 80er Jahren noch nirgends das Internet allgegenwärtig war, läss auch das den Schluss zu, dass da was modernisiert worden ist und die Schutzeinrichtung wohl nachträglich eingebaut wurde. Nicht zuletzt ist der Umspanner ein Exemplar von den Berliner Volta Werken, Fertigungsjahr 1978. Ein paar größere Risse im Mauerwerk sind auffällig, wenn man der Leiter nach durch die Luke nach oben blickt. In diesem Obergeschoss befindet sich die Schaltanlage mit mehreren Steuerschränken. Isolatoren sind durch die Glasfenster deutlich zu erkennen. Der Strom wird auf der Innenseite an der Mauerdurchführung mit dicken, dort verschraubbaren Hochspannungskabeln abgegriffen und nach unten geleitet. Möglicherweise könnte auch das modernisiert worden sein. Sammelschienen, als blanke Leiter, wie in Walddorf gibt es nicht (mehr?). Dies kann auch eine Platzfrage sein, wegen möglicher Lichtbogenüberschläge. Die Eingangstüre ist vor einigen Jahren sicher getauscht worden, seinerzeit war eine gewöhnliche Stahltür mit Türknauf verbaut. Der Sinn hierfür liegt eindeutig auf der Hand, denn wenn mal ein Starkstromelektriker zu Gange war und vergessen hat, die Türe richtig zu verriegeln, werden unter Umständen länger unbemerkt Neugierige Lebensgefahr ausgesetzt.
Wer das Transformatorenhäuschen von außen betrachtet, bekommt eine falsche Vorstellung über die Anlage innen vermittelt. Der Niederspannungsbereich ist links unten, bei den vielen NH-Schmelz-Sicherungen und den Schleppzeiger-Amperemetern. Die Schleppzeigermesswerke haben den Vorteil, dass sie den erreichten Höchstwert dauerhaft darstellen können. Während der schwarze Zeiger nach dem Absinken der Messgröße wieder in den Ausgangszustand abfällt, bleibt der "mitgeschleppte" rote Zeiger auf seinem höchsten Niveau stehen und dokumentiert somit die im Verlauf der Zeit maximal aufgetretenen Werte.
Außen wiederum befinden sich die 400 Volt Abzweigungen (zu den Häusern) genau auf der gegenüberliegenden Seite, nämlich rechts oben. Direkt rechts neben der Eingangstür führt eine Leiter in das Obergeschoss, wo überall 10kV-"Hochspannung" vorhanden ist. Dort befindet sich die Schaltanlage in Steuerschränken. Auch die Verkabelung innen stimmt mit dem Äußeren so nicht überein.
Das was ich in meiner Skizze als etwas Tischähnliches aus Holz anführte, hat sich als eine praktische Schreibunterlage erwiesen. Aufklappbar taugt das auch noch als eine miniaturisierte Aufbewahrungsmöglichkeit. Für Reservezwecke liegt noch eine HH-Schmelzsicherung herum. Hinter der blauen Schaltschrank-Verkapselung (mit Vierkantschlüssel), die die Einrichtung dominiert, worin sich der Trafo, nebst sonst berührungsgefährlichen Bauteilen befindet, befindet sich auch die Absicherung. An der Wand angebracht sind drei HH-Sicherungen in Kombination mit dem Trafoschalter. Um Lichtbogenüberschläge sicher zu verhindern, sind zwischen den Leitern Kunststoffplatten angebracht. Auch wenn einmal nur eine HH-Sicherung auslösen sollte, wird das dazu führen, dass der Schlagstift, der aus der Sicherung ausgetrieben wird, den mit einer Feder vorgespannten Trafoschalter entriegelt. Der schnappt dann zurück. Alle drei Zuleitungen werden dann irreversibel vom Stromnetz getrennt, ein versehentliches Wiedereinschalten sicher ausgeschlossen: Die ganze Anlage ist dann stromlos.
Zum Lichtmachen gibt es zwar Neonlampen, die Beleuchtung lässt aber etwas zu wünschen übrig. Der Transformator ist mit seinen fast 2 Tonnen durchaus ein ordentlicher Brummer. Er ist mit einer Ölkühlung (ventilatorlos) und einem Ausdehnungsgefäß ausgerüstet, wahrscheinlich ohne Buchholzrelais, wie mir gesagt wurde. Ein Ausdehnungsgefäß ist jedoch nicht zu sehen, der Trafo scheint hermetisch verschlossen zu sein. Hermetiktrafos brauchen keinen Ölkonservator. Es handelt sich um einen Drehstromtrafo der Firma Volta mit einer Leistung von 400 kVA, primär 10 Kilovolt (kV). Die Angabe 400kVA bedeutet nicht Kilowatt sondern Kilovoltampere (KVA). Das ist die Scheinleistung des Trafos. Darin sind die Wirkleistung (Watt) und die leider nutzlose Blindleistung (Var) eingerechnet.
Das Gebäude ist nicht unterkellert, eine Ölauffangwanne aus Beton ist vorhanden. Hinter dem Lüftungsgitter nach außen befindet sich wie gesagt nochmals ein engmaschiges stabiles Drahtgitter. So können keine Gegenstände hindurchgeschoben werden und so kann niemand einen tödlichen Schlag erleiden.
So interessant die Technik auch ist, sind dort die Gefahren auch ohne die Hinweistafeln allgegenwärtig. - Überlebenschancen bei einem Stromschlag gibt es praktisch keine!

Einige Einblicke in das Innenleben alter Trafo-Anlagen haben wir bereits auf unserer Seite Innenansichten von Turmstationen dokumentiert. Mit der Station Dörnach können wir nun erstmalig auch ein Beispiel für moderne Technik vorstellen.
 

Trafostation Tuebinger Strasse Walddorf 8 Trafostation Tuebinger Strasse Walddorf 7 Trafostation Tuebinger Strasse Walddorf 3 Trafostation Tuebinger Strasse Walddorf 4 Trafostation Tuebinger Strasse Walddorf 5 Trafostation Tuebinger Strasse Walddorf 2 Neue Trafostation Metric Walddorf
Trafoturm in Gniebel, Fa. Metric
Fotos: Matthias Thalmeier, 2012
Der Turm steht im Furtweg/Ecke Tübinger Straße (K6764), nicht weit von der B27. Die Bezeichnung der Trafostation ist zwar '762N391 Tübinger Str. Walddorf' (Abb. ganz links), aber sie liegt auf dem Betriebsgelände der Fa. Metric in Gniebel. Die Orte Walddorf und Gniebel sind heute mit dem Gewerbegebiet "Bullenbank" nahtlos zusammengewachsen. Auch die nebenan stehende neue Kompaktstation hat die Bezeichnung '762A271 Metric Walddorf' (Abb. ganz rechts), ebenso wie die dortige Bushaltestelle 'Gniebel/Walddorf Metric'.  

Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 2 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 6 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 11 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 7 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 27 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 28 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 29
Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 8 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 3 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 4 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 22 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 24 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 25 Trafoturm Ruebgarten Steinbruch 26
Der Trafoturm am Steinbruch Rübgarten von 1956
Fotos: Matthias Thalmeier, 2012
Das Trafohaus ist seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr in Betrieb. Es steht am Grundstück des Steinbruchs in Pliezhausen-Rübgarten (Bauernwald-West) am Wegrand parallel zur B27 Tübingen-Stuttgart, kurz vor der Ausfahrt Walddorfhäslach. Auf den Aufnahmen ganz links und ganz rechts der oberen Reihe sieht man in Fahrtrichtung Stuttgart. Kurz nach Kirchentellinsfurt gibt es eine starke Steigung auf der B27, danach wird es wieder eben und übersichtlich und der Turm ist hier deutlich zu sehen.
Auf der Abbildung des Giebels in der unteren Reihe rechts ist im Fassadenputz das Baujahr 1956 zu sehen. Von außen durch das Fenster ist noch die in das Obergeschoss führende Leiter sowie ein Warnschild zu erkennen (beides nicht abgebildet). Der Rest der Anlage scheint vollständig entkernt und demontiert zu sein. Von den früheren Mittelspannungszuleitungen und Freileitungsmasten sind keine Reste mehr vorhanden. Nur die Überspannungsableiter sind noch im Originalzustand der Bauzeit.
Auf der linken Abb. in der unteren Reihe befindet sich über dem Fenster ein Schild mit der Aufschrift "Hauptstr.", eine ehemalige Bezeichnung der Leitungsabgänge. Die Tatsache, dass der Turm beidseitig in eine Mittelspannungstrasse eingebunden war, weist auf die Bedeutung dieser Schilder hin. So konnte vor Ort z.B. bei Arbeiten genau bestimmt werden, welcher Teil der Leitungstrasse zu- bzw. abgeschaltet werden musste.
Bei der Stilllegung des Trafos scheint eine Brachialdemontage mit dem großen Hammer stattgefunden zu haben: Vor dem Gebäude liegen teilweise zerschlagene Porzellanisolatoren (Bilder untere Reihe) aus der Innenanlage, originale Innenraumstützer der Baureihe SA 20 (der Herstellerstempel ist erkennbar). Es sind Fragmente von Rosenthal in Selb und von der Steatit Magnesia in Hohlenbrunn in Oberfranken. Das jüngste Bauteil stammt aus der 6. Kalenderwoche 1955, ein älteres aus dem Jahr 1953. Der unversehrte Stützer auf der mittleren Abb. ist dagegen von den vereinigten Porzellanfabriken Köppelsdorf in Thüringen. So ein Teil wiegt gut 3 kg und hat auf der Endseite (die mit der größeren Metallplatte) eine Gewindebohrung zum Einschrauben. Der Einsatz bauartgleicher Teile von drei verschiedenen Herstellern deutet darauf hin, dass der Energieversorger die Stützer in der Einbauzeit wohl auf Lager hatte.
Weitere Exemplare dieser Stützer mit neuem Verwendungszweck als Gartenbeeteinfassung finden Sie in unserer Rubrik Recycling von Isolatoren.
Eine fast baugleiche Trafostation befindet sich nicht allzuweit entfernt in Altenburg.


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Stand: 23. März 2014
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